Weder die USA noch Israel haben ihre Kriegsziele im Iran bisher erreicht. Zu diesem Ergebnis kommen jetzt verschiedene Fachleute. So gebe es bis heute etwa kein Atomabkommen und die Bevölkerung werde nicht vor dem brutalen Vorgehen Teherans geschützt, sagten sie.
„All diese Ziele blieben unerfüllt“, schrieb Dana Stroul vom Washingtoner Institute for Near East Policy mit Bezug auf die Vereinigten Staaten. Ein diplomatischer und langfristiger Erfolg lasse sich weiter auf sich warten. Der Iran habe auch noch immer Einfluss in der Region. Der Konflikt habe stattdessen mangelndes Vertrauen zwischen den Vereinigten Staaten und ihren arabischen Partnern aufgezeigt, heißt es weiter. So bräuchten die Golfstaaten mehr denn je klare Sicherheitszusagen aus den USA, hätten aber gleichzeitig den Glauben daran verloren, dass Washington entschlossen sei, ihre Sicherheit zu garantieren.
Die Golfstaaten gelten überhaupt als Opfer des Kriegs. Ihr Ruf als sichere Häfen für Investitionen, Handel und Tourismus – etwa in Dubai und Riad – wurde durch die Tausenden iranischen Angriffe stark beschädigt. Auch die wirtschaftlichen Schäden sind immens, weil die Länder ihr Öl und Erdgas wegen der Blockade der Straße von Hormuz seit Monaten nicht oder nur teils an den Weltmarkt bringen können. Länder wie Katar, Bahrain oder Kuwait empfinden die großen US-Militärstützpunkte in ihren Ländern jetzt eher als Belastung.
Israels Lage mehrfach schwieriger
Auch in den jetzt laufenden Verhandlungen stehen die Regierungen der Golfstaaten als Verlierer da: Mit Ausnahme des Vermittlers Katar bekamen sie keinen Platz am Verhandlungstisch.
Der Iran-Krieg rüttelte auch an der jahrzehntelangen Partnerschaft zwischen den USA und Israel, die kurz davor noch so eng wie nie zuvor erschien. US-Amerikanerinnen und US-Amerikaner aus dem gesamten politischen Spektrum blickten inzwischen äußerst skeptisch auf die US-Offensive, schrieb Jon B. Alterman von der Denkfabrik CSIS. „Selbst unpolitische Amerikaner empfanden den gemeinsamen Krieg als äußerst egoistisch und völlig nutzlos für sie“, hielt er fest.
Eine große Zahl von Einsätzen, Präzisionsschlägen und taktischen Erfolgen führt nicht automatisch zu dauerhaften strategischen Vorteilen.
Danny Citrinowicz, Iran-Experte
„Eine große Zahl von Einsätzen, Präzisionsschlägen und taktischen Erfolgen führt nicht automatisch zu dauerhaften strategischen Vorteilen“, schrieb der israelische Iran-Experte Danny Citrinowicz über Israel auf der Plattform X. Sowohl strategisch als auch diplomatisch sei Israels Lage schwieriger geworden. Der Militäreinsatz sei eher ein strategischer Misserfolg. Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu behauptete zuletzt in einem Interview mit dem Sender Channel 14, er habe das Land vor einer Vernichtung bewahrt, da der Iran bereits im Besitz einer Atombombe sei. Im öffentlichen Jahresbericht der US-Geheimdienste steht aber, es gab keinen Hinweis auf eine politische Entscheidung zum Bau einer Atombombe.
Verheerende Luftangriffe gestoppt
Ein großer Verlierer sei jedenfalls die Bevölkerung im Iran, heißt es. Zwar haben die verheerenden Luftangriffe aufgehört, doch nun belasten steigende Preise und fehlende Zukunftsperspektiven die Iranerinnen und Iraner. Im Jänner waren noch Menschenmassen gegen ihre autoritär-klerikale Regierung und die Wirtschaftskrise auf die Straße gegangen. Die Proteste wurden jedoch blutig niedergeschlagen.
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