Rote Karte bei der WM – und dann keine Sperre? Eigentlich unvorstellbar! Beim WM-Achtelfinale zwischen Gastgeber USA und Belgien (Dienstag, 2 Uhr/live im sportkrone.at-Ticker) tritt jedoch genau dieser Fall ein. Doch wie kam zu dem historischen Tabubruch?
Der Reihe nach: Folarin Balogun – mit drei WM-Treffern bester US-Torjäger – war im Sechzehntelfinale gegen Bosnien nach einem rüden, aber unabsichtlichen Foul gegen Tarik Muharemovic sowie nach VAR-Überprüfung vom Platz gestellt worden. Eine Rote Karte zieht im Normalfall eine automatische Sperre von zumindest einem Spiel nach sich.
Weißes Haus geht gegen Sperre vor
Wie das Medium „Politico“ berichtet, setzte Andrew Giuliani, Chef der WM-Taskforce im Weißen Haus, kurz nach dem Platzverweis Präsident Donald Trump von der drohenden Balogun-Sperre in Kenntnis. Noch am Mittwochabend beschlossen Giuliani, Handelsminister Howard Lutnick und hochrangige Funktionäre des US-Fußballverbands gegen die Sperre des Topstürmers vorzugehen.
Damit begannen vier Tage voller koordinierter Lobbyarbeit, juristischer Manöver und diplomatischer Bemühungen, die vom Oval Office bis zum FIFA-Hauptquartier in Zürich reichten, berichtet das US-Magazin. Die „Mission Rote Karte“ gipfelte bereits am Donnerstag in einem Telefonat zwischen Trump und FIFA-Boss Gianni Infantino. Laut „Guardian“ soll der „Commander-in-Chief“ sogar dreimal telefonisch beim Schweizer vorstellig geworden sein, um sicherzustellen, dass der Verband in seinem Sinne handelt.
Am Sonntag dann der Paukenschlag: Balogun darf gegen Belgien auflaufen. Wie die FIFA mitteilte, wird die Rote Karte „gemäß Artikel 27 des FIFA-Disziplinarreglements für eine Probezeit von einem Jahr ausgesetzt“. Die Gespräche zwischen Infantino und Trump bestätigte die FIFA gegenüber „Politico“ nicht. Auf eine Begründung für das eigene Vorgehen verzichtete die FIFA ebenfalls. Es hieß nur, die Entscheidung, die Rot-Sperre aufzuheben, sei in einem unabhängigen Disziplinarausschuss getroffen worden.
Trump dankt der FIFA
Trump reagierte umgehend. „Danke an die FIFA, dass sie das Richtige getan und eine große Ungerechtigkeit rückgängig gemacht hat“, schrieb er auf einem sozialen Netzwerk.
Fassungslosigkeit nach Entscheidung
Die Entscheidung der FIFA schlägt hohe Wellen. Nicht nur der belgische Trainer Rudi Garcia sieht darin eine unfaire Entscheidung. Gleich mehrere Experten, zahlreiche Fans und sogar die Politik sind empört. „Man muss einmal ganz kurz sagen: Das ist unser Spiel, nicht deren Spiel“, schimpfte etwa Trainer-Legende Jürgen Klopp bei „MagentaTV“.

Belgien legt Berufung ein
Und die Belgier wehren sich. Laut einem Bericht von „The Athletic“ haben die „Roten Teufel“ formell Berufung gegen die Entscheidung des Weltverbandes eingelegt. Der belgische und der US-Verband wurden nun von der FIFA aufgefordert, ihre Stellungnahmen bis genau zwölf Stunden vor dem geplanten Spielbeginn im Seattle Stadium anzugeben. Ein Mitglied des FIFA-Berufungsausschusses wurde mit der Anhörung in dem Fall beauftragt.
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