Festspiele Reichenau

Wie man Stefan Zweig den Banalitäten verpflichtet

Kultur
06.07.2026 09:44

Letzte Premiere in Reichenau: Zweigs Kurzroman „Vierundzwanzig Stunden aus dem Leben einer Frau“, fabelhaft besetzt, aber auf Bahnhofskiosk-Niveau bearbeitet und inszeniert.

Um mit dem Freundlichen zu beginnen: Die Mitwirkenden sind mehrere Nummern größer als das ihnen vom amerikanischen Regisseur Gordon Greenberg und dem Musical-Librettisten Thomas Kahry Zugemutete. Nicht, dass sich Zweigs Kurzroman „Vierundzwanzig Stunden aus dem Leben einer Frau“ in der sprachlichen und psychologischen Champions League des Zeitgenossen Schnitzler behaupten könnte. Aber solch ein Stück Bahnhofskiosks-Literatur, wie es hier unter dem Mogeltitel einer Dramatisierung auf die Szene gehoben wird, hätte Zweig nie verantwortet.

Traumabewältigung
Die wohlhabende ältere Schottin Mrs. C. vertraut dem Ich-Erzähler eine traumatische Geschichte an: Verwitwet und emotional vereinsamt, hat sie vor Jahren eine intime Nacht mit einem jungen Spielsüchtigen verbracht, um ihn vor dem Selbstmord zu retten. Allerdings hat er das Geld, mit dem sie ihn retten wollte, gleich verspielt und sich dann erschossen.

So schreibt es Zweig. In Reichenau bastelt man einen Dreier von banalsten Umrissen. C. hat dem Süchtling hier all ihr Bares ausgehändigt und muss sich jetzt als Reisebegleitung von ihrer knöchernen Schwester terrorisieren lassen. Letztgenannte singt Chansons und zeigt zuletzt unmotiviert feministische Einsichten. Der Süchtling ist ein Lustknabe in Unterhosen und das Ganze von jener Art Frohsinn, die an alte Sommerspielzeiten erinnert, als sich Wiener Boulevardbühnen in die Ferien nach Grein verfügten.

Andererseits wäre Julia Stemberger eine betörende C., Sona MacDonald singt Chansons wie wenige, und Nils Arztmann lässt auch schauspielerisch nichts anbrennen. Das rettet die Festspiele vor dem Einfädler im letzten Tor.

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