Brutales System

Neuer Bericht warnt vor Tiertransporten auf See

Tierecke
06.07.2026 05:50
Porträt von Katharina Lattermann
Porträt von Tierecke
Von Katharina Lattermann und Tierecke

Verendete Tiere, wochenlange Irrfahrten und qualvolles Leiden auf hoher See – die Bilder der „Spiridon II“ gingen um die Welt. Ein neuer Bericht zeigt nun: Die Tragödie war offenbar kein tragischer Einzelfall. Sie ist Teil eines höchst profitablen Systems, das sich nur allzu leicht einer Kontrolle entziehen kann. 

Mehr als zwei Monate waren tausende Tiere auf der „Spiridon II“ ihrem Schicksal ausgeliefert – die „Krone“ hat berichtet. Kälber verendeten nach ihrer Geburt an Bord in der Gülle, das Schiff durfte die dahinvegetierende Fracht nicht entladen und der Verdacht illegal entsorgter Tierkadaver schockierte die Öffentlichkeit.

Derzeit läuft gegen den österreichischen Organisator ein Betrugsprozess am Landesgericht Krems. Doch genau solche miesen Machenschaften und Tier-Dramen auf unseren Meeren sind laut einem neuen Bericht der „Animal Welfare Foundation“, des „Tierschutzbund Zürich“ und der französischen Organisation „Robin des Bois“ keine Ausnahme.

(Bild: APA/ANIMAL WELFARE FOUNDATION)

Österreichische Rinder am Weg in Drittstaaten
Die Organisationen machen in ihrem weltweiten Gesamtbericht auf das enorme Leid aufmerksam, das hinter den Exporten lebender Tiere steckt. Besonders erschütternd: Auch österreichische Zuchtrinder werden auf genau solchen Schiffen in Länder wie Algerien gebracht.

„Die Tragödie um die Spiridon II ist kein Einzelfall, sondern die sichtbar gewordene Zuspitzung eines für Tiere, Umwelt und Menschen gefährlichen Systems, das auch Österreich für seine Exporte nutzt. Der Fall zeigt deutlich, was passiert, wenn dieses Risiko Realität wird“, sagt Ann-Kathrin Freude, Gründerin der Investigativ-Plattform „The Marker“, die eng mit den Erstellern des Reports zusammenarbeitet. 

Kontrollen sorgen für Kritik
Zwar verweist das Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz laut „The Marker“ auf bisher unauffällige Überprüfungen. Doch diese enden dort, wo die Tiere erst auf das Schiff verladen werden. Was die Rinder während der tagelangen Überfahrt auf dem Meer oder nach ihrer Ankunft erleben, wird behördlich nicht mehr überprüft.

Zitat Icon

Sobald diese Tiere den Hafen verlassen, sind sie nicht mehr geschützt.

Maria Boada-Saña, Animal Welfare Foundation

„Die offiziellen Kontrollergebnisse des Bundesministeriums vermitteln den Eindruck, die Transporte würden ordnungsgemäß verlaufen. Tatsächlich beziehen sie sich aber nur auf den Abschnitt bis zum Verladen der Tiere im europäischen Hafen. Was während der Überfahrt oder nach der Ankunft geschieht, wird behördlich gar nicht überprüft“, erklärt Tobias Giesinger von „The Marker“.

Fakten zu Tiertransporten auf See

  • 159 Tiertransportschiffe sind weltweit registriert.
  • Das Durchschnittsalter beträgt 45 Jahre – viele Schiffe wurden ursprünglich als Frachter gebaut und erst später zu Tiertransportern umgebaut.
  • Mehr als 50 Schiffe sind bereits über 50 Jahre alt.
  • Bei 88 Prozent der Hafenkontrollen wurden Mängel festgestellt.
  • Seit sechs Jahren gelten Tiertransportschiffe als die risikoreichste Flotte der internationalen Handelsschifffahrt.
  • Auch österreichische Zuchtrinder werden auf dieser Flotte über das Mittelmeer exportiert.

Quelle: The Global Livestock Fleet Report

„Krone“-Leser fordern Ende der Transporte
Für die beteiligten Organisationen steht deshalb fest: Solange Tiere über weite Strecken auf See transportiert werden, bleibt ihr Schicksal vielfach im Verborgenen. Auch die „Krone“ und ihre Leser fordern ein Ende der Lebendtiertransporte auf dem Seeweg sowie strengere Kontrollen entlang der gesamten Transportkette. Maria Boada-Saña von der „Animal Welfare Foundation“ bringt die Problematik auf den Punkt: „Sobald diese Tiere den Hafen verlassen, sind sie nicht mehr geschützt.“ 

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