Sie kamen zum Mitsingen, Mitschunkeln und Mitfeiern: Andy Borg verwandelte die Donauinsel Freitagabend in ein riesiges Schlagermeer. Mit der „Krone“ sprach der Publikumsliebling über seine tiefe Verbundenheit zu Wien, den Wandel des Schlagers und warum ein Auftritt in seiner Heimat für ihn bis heute etwas ganz Besonderes ist.
Bis zu 2000 Künstler treten auf Europas größten und kostenlosen Open-Air-Festival auf und sorgen dort für ein Programm von fast 700 Stunden. Wer geglaubt hat, Schlager habe auf einem Festival keinen Platz, wurde am Freitagabend am Donauinselfest eines Besseren belehrt.
Schon lange vor Beginn füllte sich die Fläche vor der Schlagerbühne unweit der Brigittenauer Brücke. Jung neben Alt, Familien neben eingefleischten Schlagerfans – alle warteten auf einen Mann: Andy Borg. Er gehört wohl zu den beliebtesten Schlagersängern und TV-Moderatoren im deutschsprachigen Raum. Die „Krone“ traf den Tausendsassa kurz vor seinem Auftritt zum Gespräch.
„Einfach unbeschreiblich“
Wie ist es auf der Donauinsel in Wien, in der Heimatstadt, aufzutreten? „Ich bin vor über 40 Jahren von Floridsdorf nach Deutschland gegangen und dort habe ich dann erfahren, dass Deutschland wesentlich größer ist als Österreich. Wenn ich hier sein darf und den Donauturm sehe, dann ist das einfach nur unbeschreiblich“, schwärmt er. Bereiten Sie sich auf einen Live-Auftritt vor heimischem Publikum anders vor? „Nein, gar nicht. Denn es ist ja wie heimkommen! Die Leute verstehen mich. Hier kann ich so sein, wie ich bin“, lacht Borg.
Entdeckt wurde der heute 65-Jährige von keinem
Geringeren als Kurt Feltz, dem Grandseignieur des deutschen
Schlagers, dem auch Caterina Valente, Peter Alexander und viele mehr
ihre Karriere verdanken. Ob er sich jemals hätte vorstellen können, einmal zu den bekanntesten Gesichtern des deutschen Schlagers zu gehören? „Nein, das wird jeder Kollege bestätigen können. So etwas glaubt man nicht.“
„Der Schlager ist viel größer und professioneller geworden“
Wo Borg ist, breitet sich gute Stimmung aus – er ist ein Naturtalent der Unterhaltung. Mindestens 250 Nächte im Jahr schläft er in Hotels, eine Ochsentour im Dienste seiner zahlreichen und vor allem sehr treuen Fans.
Doch hat sich die Schlagerwelt in den vergangenen Jahren verändert? „Ja, der Schlager ist anders geworden, auf alle Fälle. Viel größer, professioneller und internationaler“, sagt Borg. Er sei mitten in der neuen deutschen Welle geboren. Damals hätten die Leute nicht gerne Schlager gehört: „Das ist heute ganz anders.“
Begeistertes Publikum
Das Publikum ist jedenfalls begeistert. Während auf anderen Bühnen gerockt und gefeiert wird, herrscht hier eine ganz besondere Stimmung. Es wird geschunkelt, geklatscht und mitgesungen. Fremde schunkeln miteinander und fallen sich lachend in die Arme, Paare drehen sich im Takt der Musik, Kinder tanzen vor der Bühne. Für einen Augenblick scheint der Festivaltrubel stillzustehen. Bei seinen Hits „Adiós Amor“, „Die berühmten drei Worte“ oder „Die Fischer von San Juan“ singen fast alle begeistert jede Zeile mit.
Zwischen den Liedern erzählt der gelernte Mechaniker dann immer wieder kleine Geschichten und Anekdoten und bedankt sich mehrfach beim Publikum. Er wirkt nicht wie der populäre Schlagerstar, sondern wie jemand, der sich tatsächlich freut, hier zu sein.
Als nach knapp 60 Minuten die letzten Töne verklingen, will der Applaus gar nicht enden. Die Fans feiern ihren Star mit lauten „Andy! Andy!“-Rufen. Borg verabschiedet sich sichtlich gerührt, winkt noch einmal in alle Richtungen und verschwindet schließlich hinter der Bühne.
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