In Deutschland ist 2008 ein bevölkerungsweites Hautkrebs-Screening eingeführt worden. Kein einziges anderes Land auf der Welt hat ein solches Programm. Laut einer aktuellen Studie bringt es aber nicht den erhofften Nutzen. So ist die Sterblichkeit zwischen 2009 und 2022 sogar geringer gesunken als in neun Nachbarländern.
Die Studie wurde von Fachleuten des Epidemiologischen Krebsregisters Niedersachsen und der Universität Lübeck durchgeführt. Das zentrale Ergebnis: Die Melanomsterblichkeit ist seit der Einführung des Programms in Deutschland nicht mehr zurückgegangen als in Nachbarländern. Dort ist die Sterblichkeit um durchschnittlich zwei Prozent jährlich gesunken, in Deutschland nur um 1,8 Prozent.
An dem Programm nahmen allerdings auch nicht viele Menschen teil. Zwischen 2019 und 2022 beteiligten sich zwischen 6,4 und 9,2 Prozent der anspruchsberechtigten Versicherten an einem Screening in einer Hausarztpraxis und zwischen 6,2 und 7 Prozent an einem Screening in einer dermatologischen Praxis. Alle Krankenversicherten können das Angebot einer Ganzkörperuntersuchung auf verdächtige Hautveränderungen alle zwei Jahre nutzen.
Abschaffung wird bereits überlegt
Einen Vorteil hinsichtlich der Melanomsterblichkeit hätten auch frühere Studien nicht nachweisen können, schrieben die Autorinnen und Autoren. Die deutsche Regierung überlegt nun, das kostenlose Hautkrebs-Screening wieder abzuschaffen oder alternativ nur noch für Risikogruppen anzubieten. Durch Vortests könnten künftig mehr Gefährdete untersucht werden, hieß es.
Unbestritten ist hingegen der Wert anderer Krebs-Früherkennungsprogramme: In Deutschland wurde beispielsweise bereits ein Lungenkrebs-Früherkennungsprogramm mittels Niedrig-Dosis-CT-Untersuchung langjähriger Raucherinnen und Raucher etabliert. Das wird auch schon seit Langem für Österreich gefordert. Hierzulande sterben ungefähr 4000 Menschen jährlich an Lungenkrebs.
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