„Nacht des Schreckens“
Ukraine: Heftigste Angriffswelle seit Kriegsbeginn
Bei heftigen Attacken auf mehrere ukrainische Städte sind in der Hauptstadt Kiew nach Behördenangaben mindestens 20 Menschen getötet und 90 weitere verletzt worden. Bürgermeister Vitali Klitschko sprach vom schwersten Angriff seit Kriegsbeginn.
In der Nacht auf Donnerstag meldeten Augenzeugen zahlreiche Explosionen. Mehrere mehrstöckige Wohnhäuser wurden getroffen, auch ein Hotel im Stadtzentrum am zentralen Schewtschenko-Boulevard geriet in Brand. Rettungskräfte suchten in den Trümmern eines neunstöckigen Wohnhauses nach Überlebenden. „Ein Teil des Gebäudes wurde buchstäblich dem Erdboden gleichgemacht. Dort laufen weiterhin Such- und Rettungsmaßnahmen.
Unter den Trümmern wird noch immer nach Menschen gesucht, darunter ein 15-jähriges Mädchen und ihre Familie“, sagte Klitschko. „Unser Haus brennt. Der Angriff dauert immer noch an“, schrieb die Kiewer Einwohnerin Iryna Plechowa auf Facebook unter dem Foto eines halb zerstörten Wohnhauses. „Wir haben keine Wohnung mehr.“
„Unglaublich laute Explosionen“
Viele verängstigte Menschen suchten nach den Luftalarmen Schutz in U-Bahn-Stationen. Einige schlugen dort Zelte auf, um die Nacht unter der Erde zu verbringen. Es habe „unglaublich laute“ Explosionen gegeben, die auch in den Bunkern „deutlich hörbar“ gewesen seien. Außenminister Andrij Sybiha erklärte, Kiew habe eine „Nacht des Schreckens“ erlebt.
Diese Aufnahmen sollen aus einem Bunker in Kiew stammen:
Auch in anderen Städten der Ukraine – darunter Saporischschja und Pawlohrad im Südosten sowie Sumy und Charkiw im Nordosten des Landes – gab es Berichten zufolge Luftalarm und Explosionen. Das benachbarte Polen hatte kurzzeitig Kampfflugzeuge als Vorsichtsmaßnahme in die Luft geschickt, diese dann aber wieder zurückgerufen und mitgeteilt, dass keine Luftraumverletzung festgestellt worden sei.
Selenskyj sah massiven Angriff kommen
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte am Mittwoch vor einem bevorstehenden Großangriff auf die Ukraine gewarnt. Alle ein bis zwei Wochen gebe es massive Attacken mit Hunderten Drohnen und Dutzenden Raketen – und „heute gibt es die unangenehme Information über die nächste Vorbereitung eines solchen massiven russischen Angriffs“, sagte er am Rande einer Zeremonie zum Wechsel der EU-Ratspräsidentschaft in Dublin. Daher werde er direkt nach der Pressekonferenz rasch in die Ukraine zurückkehren.
Zuletzt Erfolge in der Abwehr
Abseits der täglichen Luftangriffe auf die Ukraine haben die Verteidiger laut US-Kriegsexperten zuletzt bemerkenswerte Erfolge im Abwehrkampf gegen Russland erzielt und die Verluste des Gegners stark in die Höhe getrieben. Einem Lagebericht der in Washington ansässigen Denkfabrik CSIS (Center for Strategic and International Studies) zufolge machen den Russen neben ihrer stotternden Bodenoffensive und vereinzelten Geländegewinnen der Ukrainer vor allem die steigenden Gefallenenzahlen in den eigenen Reihen zu schaffen.
Russische Verluste zuletzt höher
Insgesamt seien seit Kriegsbeginn im Februar 2022 rund zwei Millionen Soldaten getötet, verletzt oder vermisst gemeldet worden, heißt es in dem Bericht – allein 1,4 Millionen davon auf russischer Seite. Die Gesamtzahl der russischen Gefallenen gab CSIS mit 400.000 bis 450.000 an, auf ukrainischer Seite seien es 125.000 bis 150.000.
Hauptgrund dafür sei der verstärkte und äußerst wirkungsvolle Einsatz ukrainischer Kampfdrohnen. Es gilt als sicher, dass sowohl Russlands Führung als auch die der Ukraine eigene Verluste herunterspielen und jene in den Reihen des Gegners aufbauschen.










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