Vorsicht geboten

Koffein-Drinks führen bei Kindern zu Herzrasen

Wissen
01.07.2026 09:35
Porträt von krone.at
Von krone.at

Herzspezialisten fordern mehr Bewusstseinsbildung und Vorsicht bei koffeinhaltigen Getränken. Bei Kindern und Jugendlichen kann der Konsum zu Herzrhythmusstörungen führen. Grazer Kinderkardiologen haben die wissenschaftliche Literatur dazu durchforstet und sind auf 39, zum Teil schwere Fälle gestoßen.

„Der Koffeinkonsum bei Kindern und Jugendlichen hat in den vergangenen Jahren zugenommen, vor allem durch Energydrinks. Obwohl Koffein in niedrigen Dosen im Allgemeinen als sicher gilt, deuten aktuelle Erkenntnisse darauf hin, dass ein hoher Konsum bei jüngeren Menschen Herzrhythmusstörungen und EKG-Veränderungen hervorrufen kann“, stellten die Wissenschaftler um Stefan Kurath-Koller (Pädiatrische Kardiologie/MedUni Graz) und seine Co-Autoren in der in „Pediatric Cardiology“ erschienenen Studie fest (doi: 10.1007/s00246-026-04348-3).

39 Fälle dokumentiert
In ihrer Übersicht durchsuchten die Kinder- und Jugendkardiologen die wissenschaftliche Literatur nach Fallberichten und Studien zum Thema von durch Koffeinkonsum hervorgerufene Herzrhythmusstörungen bei Heranwachsenden. „In allen eingeschlossenen Studien wurden insgesamt 39 Jugendliche (im Alter von 13 bis 18 Jahren) mit koffeinbedingten Herzrhythmusstörungen oder EKG-Veränderungen beschrieben. Zu den Koffeinquellen zählten Energydrinks, koffeinhaltige Tabletten und Pulver“, fanden die Wissenschaftler heraus.

Berichtet wurde von einer ganzen Reihe unterschiedlicher und mehr oder weniger gefährlicher Herzrhythmusstörungen. Es fanden sich verschiedene Tachykardien („Herzrasen“), sogenannte QTc-Verlängerungen (potenziell lebensbedrohliche Verlängerung des Erholungsintervalls des Herzens, Anm.) und Veränderungen der sogenannten ST-Strecken im Elektrokardiogramm (EKG). Bestimmte ST-Strecken-Veränderungen im EKG sind typisch für Herzinfarkte.

Keine Panik, aber Vorsicht geboten
Es geht nicht um Panikmache. „Koffein zählt weltweit zu den am häufigsten konsumierten psychoaktiven Substanzen und wird üblicherweise über Kaffee, Tee, Erfrischungsgetränke und Energy-Drinks aufgenommen. Jugendliche und junge Erwachsene gehören zu den Hauptkonsumenten dieser Getränke. In moderaten Dosen wird Koffein mit positiven Effekten wie gesteigerter Aufmerksamkeit, verbesserter kognitiver Leistungsfähigkeit und verringerter Müdigkeit in Verbindung gebracht“, stellen die Wissenschaftler fest.

Trotzdem sei Vorsicht geboten, so die Mediziner: „Trotz dieser Vorteile ist Koffeinkonsum mit einer Reihe von gesundheitsschädlichen Wirkungen verbunden, insbesondere bei hohem Konsum“. Dazu gehörten etwa Herz-Kreislauf-Komplikationen, neuropsychologische Probleme sowie Leber- und Nierenprobleme. Neben Koffein selbst könnten laut Studienautoren auch andere Bestandteile koffeinhaltiger Getränke, wie Taurin, Guarana und Ginseng, zu diesen negativen Auswirkungen beitragen.

Hohe Dosen nicht gewöhnt – Ein Todesfall
Das größte Problem ist, dass Jugendliche zunächst nur geringen Kontakt mit Koffein hatten, sie sind es daher nicht gewohnt. Hohe Dosierungen führen dann zu einem vermehrten Risiko für Herz-Kreislauf-Probleme. „Darüber hinaus werden koffeinhaltige Getränke häufig zusammen mit anderen Substanzen wie Alkohol konsumiert, was die Wirkung von Koffein verstärken und potenziell Arrhythmien fördernde Nebenwirkungen verschlimmern kann“, so die Wissenschaftler.

Insgesamt fanden die Grazer Experten 110 auswertbare Fachartikel zu koffeinbedingten Herzrhythmusstörungen bei Kindern und Jugendlichen. „Insgesamt wurden in diesen Studien 39 Patienten mit dokumentierten Arrhythmien oder EKG-Auffälligkeiten im Zusammenhang mit Koffeinkonsum beschrieben. Ein Patient verstarb an Kammerflimmern nach dem Konsum mehrerer Dosen Energydrinks, das medizinisch nicht beherrschbar war“, so die Experten. Die Häufigkeit solcher Komplikationen lasse sich aber aus der wissenschaftlichen Literatur nicht erschließen. Das Alter der registrierten Patienten betrug zwischen 13 und 18 Jahren. 69 Prozent waren männlichen Geschlechts.

Derzeit geht man – nach der Untersuchung von Fallserien –  davon aus, dass Vergiftungssymptome bei etwa einem Konsum von ein bis zwei Gramm Koffein (oder einer Blutserumkoffeinkonzentration von mehr als 15 Milligramm pro Liter) auftreten können und Koffeinmengen über hundert bis 200 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht (oder Blutserumspiegel über 80 Milligramm pro Liter) potenziell tödlich sein können. Da einige der Fälle von Herzrhythmusstörungen aber auch bei moderaten konsumierten Koffeinmengen auftraten, könnte es auch eine Gruppe von aus anderen Gründen vorbelasteten Personen geben, die speziell gefährdet sind.

Warnung vor allem vor hohem Konsum
„Hoher Koffeinkonsum, beispielsweise durch Energydrinks, -pulver und -tabletten, kann bei Kindern und Jugendlichen verschiedene Herzrhythmusstörungen auslösen“, so die Kardiologen. Schwere Ereignisse würden vorwiegend bei übermäßigem Konsum auftreten. Allerdings könnten auch moderate Dosen bei empfindlichen Personen, insbesondere solchen mit bestehenden Herzerkrankungen, negative Auswirkungen haben. Um die koffeinbedingten Herz-Kreislauf-Risiken in dieser Bevölkerungsgruppe zu reduzieren, seien daher ein gesteigertes Bewusstsein und präventive Maßnahmen unerlässlich, empfehlen die Experten.

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