Aus Rache geschossen

Schüsse auf Wiener Lokal: „Wusste, was ich tue“

Gericht
02.07.2026 05:00

Nachdem ein Kroate von einer Männergruppe verprügelt wurde, sitzt nun er wegen zweifachen Mordversuchs vor Gericht in Wien. Denn statt die Polizei zu informieren, holte er seine illegale Pistole aus dem Auto und drückte ab. Vor dem Schwurgericht kommt er mehr als glimpflich davon. 

Mehrere Menschen unterhalten sich vor dem Lokal im 15. Wiener Bezirk. Sie stehen in Grüppchen zusammen – eine Frau sitzt auf einem Sessel und raucht eine Zigarette. Als plötzlich der BMW X5 des Angeklagten vorfährt, stehen bleibt und der 35-Jährige aus dem Auto springt. Zweimal schießt er mit seiner Pistole in die Luft, einmal auf die Glastüre des Lokals. 

Zweifacher Mordversuch?
Jetzt findet sich der Kroate vor Geschworenen im Wiener Landesgericht wieder. Der Vorwurf: Zweifacher Mordversuch! Denn er zielte genau auf zwei Männer, die sich scheinbar gerade noch ins Lokal flüchten konnten. Verletzt wurde glücklicherweise niemand. Nur die Glastüre trug ein ordentliches Loch davon. 

Waffe aus Rache gezückt
Die drei Schüsse fielen in der Nacht auf den 6. Juli 2025 aber nicht grundlos: „Ich war wütend und habe es als unfair empfunden, dass wieder was passiert ist“, sagt der 35-Jährige. Denn mit der gegnerischen Gruppe sei er schon mehr als einmal aneinander geraten. Auch an diesem Abend im Lokal hätten sie ihn zu fünft angestänkert, schließlich raus auf die Straße gezerrt, auf den Boden geworfen, getreten und geschlagen. Videoaufnahmen zeigen die wüsten Szenen am Gehsteig in der Märzstraße. 

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Ich hatte das Gefühl, dass sie nicht glaubten, dass es sich um eine richtige Waffe handelte.

Dann drückte der Kroate noch einmal ab.

„Dann hab' ich die Pistole aus der Mittelkonsole meines Autos genommen. Ich wusste genau, was ich tue. Ich habe sofort zwei Schüsse in die Luft abgegeben.“ Als Einschüchterung oder Vorwarnung. „Sie sind reingelaufen und ich bin ihnen nachgegangen. Ich hatte das Gefühl, dass sie nicht glaubten, dass es sich um eine richtige Waffe handelte“, meint der Kroate. Um das Gegenteil zu beweisen, zielte er auf die Glastüre und drückte ab. 

Verteidiger-Duo Rudolf Mayer und Anna Mair erzielen einen großen Erfolg für ihren Mandanten.
Verteidiger-Duo Rudolf Mayer und Anna Mair erzielen einen großen Erfolg für ihren Mandanten.(Bild: Gerhard Bartel)

Das Verteidiger-Duo Rudolf Mayer und Anna Mair sind sich sicher, dass er das nicht in Mordabsicht gemacht hat. Der 35-Jährige sagt selbst: „Ich wusste, dass es sich um eine doppelte Glastür handelt. Ich habe mit dem Lokalbesitzer davor gesprochen, ob die Tür schalldicht ist.“ – „Nur, weil eine Tür eine gute Schalldämmung hat, heißt es ja nicht, dass da keine Pistolenkugel durchgeht“, wirf der vorsitzende Richter ein. „Dafür war das Kaliber zu schwach.“ Woher er das weiß? „Ich habe das im Zuge meiner Securityausbildung gelernt. Und außerdem setzt sich jeder am Balkan damit auseinander“, meint der Hobby-Schütze, der die Pistole aber nicht legal besaß.

Von bis zu lebenslang zu wenigen Monaten
Die Geschworenen glauben das dem Angeklagten: Vom zweifachen Mordversuch bleibt letztlich eine gefährliche Drohung und Gefährdung der körperlichen Sicherheit übrig. Der 35-Jährige fasst 21 Monate bedingte Haft aus – das Urteil ist nicht rechtskräftig. Übrigens: Auch gegen Mitglieder der anderen Gruppierung wird ermittelt ...

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