40 Jahre nach der Scheidung stach ein Flachgauer (70) mit einem 20-Zentimeter-Messer dreimal auf seine Ex-Ehefrau ein – passiert Mitte Jänner in Mattsee. Dabei hatte sie ihm sogar Obdach gegeben. Doch sein aufgestauter Frust und Groll führte zur Bluttat, so die Staatsanwältin beim Prozess im Salzburger Landesgericht.
Der Angeklagte, ein 70 Jahre alter Flachgauer, der bis zur Pension als Psychologe arbeitete, bestritt den Anklagevorwurf des versuchten Mordes beim Prozess am Mittwoch im Landesgericht: „Zu keinem Zeitpunkt wollte ich sie töten.“ Sondern? „Ich wollte ihr nur Angst machen.“
Opfer gab Angeklagtem eine Bleibe
Mit einem 20 Zentimeter langen Küchenmesser ging er am 12. Jänner zu seiner Ex-Ehefrau, die ihm Wochen zuvor aufgrund seiner Wohnungslosigkeit Obdach gab – in ihrem Haus in Mattsee, das auch dem gemeinsamen Sohn gehört. „Trotz der Hilfe war der Angeklagte nicht zufrieden und aufgebracht“, führte die Staatsanwältin aus und bemerkte: 40 Jahre nach der Trennung hat sich „sehr viel aufgestaut, was mit einem Blutbad endete“. Dreimal stach er zu: in die Brust, den Bauch und, als das Opfer davonlief, in den Bein-Bereich. „Hätte sie sich nicht retten können, dann wäre sie nicht mehr am Leben“, betonte die Anklägerin.
„Ungute Erinnerungen“ kamen hoch
Doch zuvor schnitt er sich selbst: „Ich wollte sterben, aber ich wollte das nicht alleine und ungesehen“, erklärte der 70-Jährige den Geschworenen. Und: „Ich wollte, dass sie etwas spürt.“ Was genau? „Meine Angst“, entgegnete er. „Oder Schmerz?“, hakte der Richter nach. Dass, sie seine Emotionen spürt, ergänzte der Pensionist. Er meinte auch, dass er sie mitnehmen wolle. Auf Nachfrage der Richter bestritt er aber weiterhin eine Tötungsabsicht. Zuvor hatte der Angeklagte aus seinem Leben erzählt: von ein paar Jahren idyllischem Familienleben am Land, der „traumatisierenden Zeit“ nach der Trennung und von „unguten Erinnerungen“, die bei der Tat hochgekommen seien. „Es ist mir ein Rätsel, dass ich zu so etwas in der Lage war“, bemerkte er noch.
Er sagte, er möchte aus dem Leben scheiden und mich vorher umbringen, weil ich ihm seinen Sohn weggenommen habe.
Die Ex-Ehefrau im Zeugenstand
Das Opfer bestätigte im Zeugenstand: „Er sagte, er möchte aus dem Leben scheiden und vorher bringt er mich um, weil ich seinen Sohn weggenommen habe.“ Der 70-Jährige sei mit dem Messer vor ihr gestanden. „Ich bin davongelaufen und habe geschrien.“ Sie konnte sich damals zu den Nachbarn retten. Eine Woche war sie nach dem Angriff im Spital, musste operiert werden und befindet sich nach wie vor in Therapie.
Mit 5 zu 3 Stimmen entschieden die Geschworenen denkbar knapp auf: schuldig wegen versuchten Mordes. Der 70-Jährige wurde zu 15 Jahren Haft verurteilt, nicht rechtskräftig.
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