In ihr marodes Schienennetz investieren die Deutschen in den kommenden Jahren unzählige Summen. Die Folge sind zwischenzeitliche Streckensperren, die sich auch auf Tirol auswirken. Wir bringen eine erste Vorschau.
„Wenn Deutschland einen Schnupfen hat, dann hat Österreich die Grippe.“ Dieses bekannte Zitat, das sich auf die wirtschaftliche Lage bezieht, bemühte am Dienstag im Rahmen einer Pressekonferenz in der Tiroler Wirtschaftskammer (WK) Andreas Matthä, der CEO der ÖBB.
Unter einer sehr starken Grippe – um bei dem Bild zu bleiben – leidet das Schienennetz unserer Nachbarn. „Deutschland hat in den vergangenen Jahrzehnten zu wenig in die Infrastruktur investiert, sowohl die Fahrleitungen als auch die Stellwerke sind veraltet“, weiß der ÖBB-Boss.
Unser Ziel ist klar: Wir halten den Verkehr sowohl für unsere Fahrgäste als auch die Wirtschaft so stabil wie möglich.

Andreas Matthä
Bild: Christof Birbaumer
Sanierung des Netzes bis 2036
Diese dringend notwendigen Sanierungen holen die Deutschen seit dem Vorjahr und noch bis zum Jahr 2036 in Etappen nach. Was einerseits für die Aufrechterhaltung des gesamten europäischen Bahnnetzes entscheidend ist, hat andererseits natürlich auch Auswirkungen auf den Güter- und Personenverkehr. „Kurzfristig bedeutet das spürbare Einschränkungen, die wir auch in Tirol deutlich wahrnehmen“, bringt es Matthä auf den Punkt.
Suche nach neuen Wegen für rund 120 Güterzüge
Vor allem heuer und in den kommenden zwei Jahren werden die Komplettsperren spürbar sein. Die derzeitige Sperre zwischen Regensburg und Nürnberg und bald zwischen Passau und Obertraubling zeige jetzt schon Auswirkungen. „Wir haben in Wien 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die damit beschäftigt sind, die Güterzüge durch Deutschland zu schicken. Jeden Tag müssen neue Wege und Trassen gefunden werden“, verdeutlicht der ÖBB-CEO.
Bis zu 120 Güterzüge müssen durch die Schaffung von Umleitungskapazitäten an ihr Ziel gebracht werden.
Betriebe brauchen frühzeitig Klarheit über Sperren und Umleitungen, damit sie Aufträge verlässlich planen können.

Barbara Thaler
Bild: Christof Birbaumer
Fahrzeitverlängerungen als Folge
Auf den Personenverkehr wirkt sich das unter anderem mit einer Fahrzeitverlängerung von 15 Minuten über das Deutsche Eck von und nach München und Innsbruck aus, von und nach Vorarlberg sind es 30 Minuten. Herausfordernd wird auch die Sperre zwischen Freilassing und Rosenheim im ersten Halbjahr 2027. Züge von Wien nach Zürich und retour müssen dann über Bischofshofen umgeleitet werden, was Fahrzeitverlängerungen von rund 90 Minuten bis Innsbruck bzw. rund 120 Minuten bis Zürich zur Folge hat.
Bei so vielen Güterzügen, die umgeleitet werden, kann das hin und wieder auch den Pendler im Rex oder der S-Bahn betreffen.

René Zumtobel
Bild: Christof Birbaumer
Deutliche Auswirkungen auch auf die Brennerachse
Besonders herausfordernd wird aus heutiger Sicht das Jahr 2028. In diesem steht aufgrund der Sanierung der Strecke zwischen München und Rosenheim eine zweimonatige Totalsperre bevor. Die Auswirkungen werden auch auf der für Tirol zentralen Brennerachse deutlich zu spüren sein.
„Über das Deutsche Eck werden nicht nur West- und Ostösterreich verbunden, es ist darüber hinaus elementarer Bestandteil einer der am stärksten ausgelasteten Bahnverbindungen. Gleichzeitig ist eine funktionierende Nord-Südverbindung über München und Rosenheim aus Tiroler Sicht zentral für den Schienengüterverkehr“, betont SP-Verkehrslandesrat René Zumtobel.
Dass die Strecke zwischen München und Rosenheim „nur“ zwei Monate gesperrt wird, sei intensiven Gesprächen zu verdanken, die „gefruchtet“ hätten. „Die Zeit sollte jetzt von allen Partnern genutzt werden, um sich frühzeitig und abgestimmt auf die Sperren vorzubereiten“, so der Landesrat.
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