14,7 Tage pro Person

Das waren Hauptursachen für Krankenstände 2025

Wirtschaft
30.06.2026 11:01

Im Vorjahr waren Österreichs Beschäftigte durchschnittlich 14,7 Tage im Krankenstand. Das ist ein leichter Rückgang im Vergleich zu 2024 (15,1 Tage). Ungefähr vier von zehn (44,7 Prozent) Krankenständen dauerten weniger als vier Tage.

Das geht aus dem Fehlzeitenreport vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) im Auftrag des Dachverbands der Sozialversicherungsträger (DVSV), der Arbeiterkammer (AK) und der Wirtschaftskammer (WK) hervor. Unterschiede gab es demnach zwischen den Geschlechtern und Altersgruppen. So verbrachten Frauen im Vorjahr mehr Tage im Krankenstand als Männer (15,5 Tage vs. 14,1 Tage). Das habe mit der steigenden Frauenerwerbsquote, körperlich und psychisch belastenderen Arbeitsverhältnissen, aber auch der Doppelbelastung von Frauen zu tun, sagte Studienautorin Christine Mayrhuber vom WIFO.

Darüber hinaus nehmen bei beiden Geschlechtern sowohl die Dauer als auch die Häufigkeit ab dem 50. Lebensjahr zu. Jugendliche und junge Erwachsene unter 20 Jahren sind ebenfalls vergleichsweise häufig krankgemeldet, die 25- bis 49-Jährigen am seltensten.

Vor allem zwei Gruppen prägten das Krankheitsgeschehen im Vorjahr: Erkrankungen des Atmungssystems wie grippale Infekte, Grippe, Bronchitis und Asthma verursachten 43,3 Prozent aller Krankenstände. Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes wie Osteoporose, Arthritis und Wirbelsäulenerkrankungen machten 11,3 Prozent aus. „Bemerkenswert ist dabei, dass Rückenerkrankungen branchenübergreifend auftreten – sie betreffen körperlich Tätige ebenso wie Beschäftigte in sitzenden Berufen“, heißt es in einer Aussendung des DVSV.

So hat sich die Zahl der Krankenstände im Laufe der Zeit entwickelt:

Das Balkendiagramm zeigt die durchschnittliche Zahl der Krankenstandstage pro versicherter Person in Österreich von 1970 bis 2025. Der höchste Wert liegt 1980 bei 17,4 Tagen, der niedrigste Wert 2020 bei 12,7 Tagen. 2025 steigt die Zahl auf 14,7 Tage. Quelle: Dachverband der Sozialversicherungsträger.
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Lange Krankenstände durch psychische Erkrankungen
Psychische Erkrankungen wie Depressionen und Schizophrenie waren im Vorjahr hingegen nur für 2,9 Prozent aller Krankenstände verantwortlich. Sie gehen aber oft mit einer langen Dauer einher, konkret entfielen auf psychische Erkrankungen rund 11,8 Prozent aller Krankenstandstage. „Hier müssen wir genau hinsehen und anerkennen, dass hinter jedem Krankenstand auch eine persönliche Leidensgeschichte steht (...). Angesichts sich wandelnder Arbeitswelten wäre auch die entsprechend sozialrechtliche Anerkennung psychischer Erkrankungen ein wichtiger Schritt“, sagte Claudia Neumayer-Stickler, Vorsitzende der Konferenz der Sozialversicherungsträger.

„Aus Sicht der AK ist alarmierend, dass therapeutische Angebote nur einen kleinen Teil der Betroffenen erreichen. Das Fehlen an standardisierten Behandlungspfaden wird deutlich, obwohl frühzeitige, interdisziplinäre und arbeitsplatzbezogene Maßnahmen die besten Erfolgsaussichten bieten (...)“, sagte Wolfgang Panhölzl, Abteilungsleiter Sozialversicherung der Arbeiterkammer Wien. Dabei bezog er sich nicht nur auf Psychotherapie, sondern auch auf Angebote wie Physiotherapie. Es bräuchte Versorgungsprogramme, die zudem helfen würden, das Gesundheitssystem nachhaltig zu finanzieren.

Zitat Icon

Aus Sicht der AK ist alarmierend, dass therapeutische Angebote nur einen kleinen Teil der Betroffenen erreichen.

Wolfgang Panhölzl, Arbeiterkammer Wien

Ausfälle kosteten 6,2 Milliarden Euro
Die direkten Krankenstandskosten, ohne Wertschöpfungsverluste, beliefen sich im Jahr 2024 auf 6,2 Milliarden Euro. Davon machte der größte Anteil die Entgeltfortzahlung der Unternehmen (4,8 Milliarden Euro) aus, das Krankengeld der Versicherung betrug 1,2 Milliarden Euro. Die Wertschöpfungsverluste können bis zu 8,8 Milliarden Euro ausmachen. Neuere Daten gibt es bisher nicht. Da Betriebe den Großteil der Kosten tragen würden, hätten sie auch ein Eigeninteresse, dass die Krankenstandstage zurückgehen, sagte Rolf Gleißner, Leiter der Abteilung Sozial- und Gesundheitspolitik der Wirtschaftskammer. In der Prävention und Rehabilitation gebe es noch viel zu tun.

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