Die Vorwürfe sind derart schwerwiegend, dass sie im Saal kaum zu ertragen sind. Ein Wiener (37) soll in seiner Rolle als Vater und Onkel seinen eigenen Sohn, seinen Neffen und die Nichte wiederholt sexuell missbraucht haben. Sie alle waren zum Zeitpunkt der Vorwürfe fünf bis zehn Jahre alt. Die Staatsanwältin spricht von „glaubwürdigen Schilderungen“, der Verteidiger von einer erfundenen Geschichte ...
Zu den abscheulichen Handlungen soll es in einer Zeitspanne von vier Jahren gekommen sein – 2019 bis 2023. Teilweise soll der Vater bzw. Onkel mit beiden Buben gemeinsam sexuelle Handlungen vorgenommen haben.
Hausdurchsuchung und Festnahme
Was dann folgte: Die Vorwürfe kamen ans Licht, eine Anzeige wurde eingebracht, das Haus wurde nach Material mit Kindesmissbrauchsdarstellungen durchsucht und – zu guter Letzt: Der 37-Jährige wurde festgenommen.
Bereits am ersten Verhandlungstag im Mai wies der Mann alle Anschuldigungen von sich, übt sich in Täter-Opfer-Umkehr. Laut dem Angeklagten hätte sein Sohn ihn erpresst und unter Druck gesetzt. Dieser habe ihn einmal „beim Masturbieren erwischt“ und ihm gedroht, dies der Oma zu erzählen.
Zahlreiche Gutachten
Bevor es zur Anzeige kam, soll der Vater sich sogar auf einen Deal mit seinem unmündigen Sohn eingelassen haben. Er soll sich verpflichtet haben, diesem monatlich 500 Euro zu bezahlen, was sogar notariell beglaubigt wurde. Er habe gedacht, „dass damit die Anschuldigungen aufhören“, erklärte der 37-Jährige.
Alle drei Kinder wurden im Ermittlungsverfahren kontradiktorisch als Zeugen vernommen und gutachterlich befragt. Das Problem: Der erste Gutachter soll die Kinder „massiv suggestiv befragt“ haben – ein zweites Gutachten wurde eingeholt. Das Ergebnis: Die Befragung der Kinder sei nicht lege artis gewesen.
Auch Nichte im Intimbereich berührt
Am Dienstag kam es am Wiener Landesgericht zu einer überraschenden Wendung. Der Sachverständige ist sich sicher: „Die Aussagen der Kinder haben einen realen Ereignishintergrund“. Vor allem hätte der Sohn von den erlebten Übergriffen seiner Cousine gar nichts gewusst. Auch sie soll von dem 37-Jährigen im Intimbereich berührt worden sein. Von einem Lügenkonstrukt gehe der Experte nicht aus.
Der Cousin – er war zu Beginn der Missbräuche erst fünf Jahre alt – hätte sogar geglaubt, er bekäme Ärger, wenn er von den abscheulichen Taten erzählen würde.
Liste der Anklage erschreckend und lang
Dem Mann werden mehrere schwere Sexualdelikte zum Nachteil Minderjähriger sowie der Besitz von Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs vorgeworfen.
Der Prozess wurde ein weiteres Mal vertagt. Jetzt muss noch geklärt werden, ob die Kinder eine posttraumatische Belastungsstörung haben – drei weitere Gutachten werden eingeholt.
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