Der Wiener Kultursommer ist von der einstigen improvisierten Idee aus Covid-Zeiten endgültig zum Schwergewicht unter den Sommerfestivals geworden: Mehr denn je gibt es heuer neben Geheimtipps auch bekannte Künstlerinnen und Künstler zu sehen, wie immer gratis und über die ganze Stadt verteilt.
War der Wiener Kultursommer in den vergangenen Jahren vor allem für Bewohner der Außenbezirke gedacht, die – aus budgetären Gründen und/oder Schwellenangst – selten den Weg in Kulturtempel finden, werden heuer dank bekannter Namen im Programm wohl vermehrt auch routinierte Kunstkenner den Weg zu den neun Open-Air-Bühnen in den Außenbezirken und weiteren Spielorten antreten.
Für jeden Geschmack etwas dabei
Das schon traditionelle Auftakt-Picknick mit den Symphonikern im Prater, gleich am 1. Juli und noch einmal einen Tag später, konnte schon immer mit Prominenz punkten – heuer mit Startenor Rolando Villazón, Sopranistin Ilia Staple und Song-Contest-Veteranin Teya und Dirigentin Holly Hyun Choe. Das ist aber nur der Auftakt für eine hohe Stardichte auch im regulären Programm von 2. Juli bis 16. August.
Der Wiener Kultursommer ist etwas, das vor die Haustür kommt. Und auch wenn es leicht zugänglich ist: Exzellent muss es immer sein.

Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler
Bild: Zwefo
Die Schauspielgrößen Gerti Drassl und Karl Markovics bieten etwa Lesungen mit musikalischer Begleitung. Die Kabarettschiene bringt zum Beispiel Vorab-Einblicke in Sonja Pikarts nächstes Programm und den „Alltagspoeten“ Andreas Rainer, das Wienerlied-Programm ist von Kollegium Kalksburg abwärts exquisit besetzt, ebenso wie Jazz unter anderem mit Saxofour und dem Orgeltrio von Herwig Gradischnig. Schlager und Pop sind etwa durch Sandra Pires und Billie Steirisch vertreten. Spielorte und Daten findet man am besten, wenn man im Kalender des Kultursommers nach den Namen sucht.
Internationale Strahlkraft steigt
Dass neben Neulingen auch arrivierte Künstler auf Kultursommer-Bühnen wollen – sogar Austro-Rap-Urgestein Texta ist mit einem ihrer raren Auftritte vertreten – liegt nicht am Geld: Weiterhin bekommt jeder dieselbe Gage. Kultursommer-Geschäftsführerin Siglind Güttler erklärt sich das Interesse bekannter Künstler auch mit der Hoffnung, so neue Fans zu gewinnen. Tatsächlich besteht das Publikum weiterhin rund zur Hälfte aus Menschen aus der Nachbarschaft zu den Bühnen, die so „erste Verführungsmomente“ (Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler) in Sachen Kultur serviert bekommen.
Dass die Strahlkraft des Festivals steigt, ließ sich auch an den Bewerbungen von Künstlern ablesen: Von heuer 3500 kamen allein 500 aus Deutschland. Immer mehr Menschen reisen auch für das Festival nach Wien, weil sie laut Kaup-Hasler den „so unexklusiven Zugang zu Kultur einzigartig“ finden. Gastronomie gibt es aber weiterhin bei den meisten Spielstätten keine – für einen absolut gelungenen Abend sollte man also nicht auf die Selbstversorgung, zumindest mit Getränken, vergessen.
Heuer erwartet die Gäste Bewährtes – an die 500 Darbietungen bei freiem Eintritt auf den Kultursommer-Bühnen, am Rathausplatz, in den Häusern zum Leben (nur hier ist eine Voranmeldung unter kwp.at/ksw2026 nötig), Kinderfeste, Zirkuskunst, Mitmach-Programme und Neues: etwa die Ottakringer Brauerei als Spielort, mehr Barrierefreiheit – und zum Glück inzwischen auch mehr Hitze-Schutz zumindest vor den Bühnen am Nordwestbahnhof-Gelände und am Schrödingerplatz.
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