Über Wochen und Monate lebte eine türkische Familie in Hall in Tirol in Angst! Mitte März lag der abgetrennte Kopf eines Schweins und eine grauenhafte Botschaft auf einem Zettel vor ihrer Wohnungstür. Nun dürfte der Fall geklärt sein.
Es war eine fürchterliche Entdeckung, die die Mutter einer fünfköpfigen türkisch-muslimischen Familie Mitte März diesen Jahres machte, als sie gegen 4.30 Uhr zur Arbeit gehen wollte.
Vor ihrer Haustür lag ein abgetrennter Schweinskopf auf dem Boden, dabei ein Zettel mit der Aufschrift „Happy Ramadan ihr Affen!“ „Ich erschrak sehr und schrie auf. Daraufhin kamen meine Tochter und mein Ehemann zu mir. Meine Tochter ist 15, ich wollte ihr diesen Anblick eigentlich ersparen“, schildert die Frau damals.
Familie mehrmals Angriffen ausgesetzt
Die Familie sei in den vergangenen Jahren immer wieder Angriffen ausgesetzt gewesen, wie Orhan Gurcan von ADIF Innsbruck, der Vereinigung demokratischer Arbeiter aus der Türkei in Österreich erklärte. „Sie waren mehrmals bei der Polizei und wollten auch Kameras im Gang installieren, doch die Hausverwaltung erlaubt das nicht.“ Die Exekutive konnte frühere Vorkommnisse aus Datenschutzgründen weder bestätigen noch verneinen. Unter anderem wurden Autoreifen zerstört oder der Strom gekappt.
Der Schweinskopf vor der Tür war der traurige Höhepunkt. Die Familie wandte sich an die Polizei. Diese hörte ihnen laut eigenen Aussagen kaum zu. Man habe der Familie mitgeteilt, dass eine andere Person den rassistischen Vorfall bereits gemeldet habe und man zunächst diese befragen werde.
Verdächtiger wurde ausgeforscht
Die Polizei ermittelte wegen Herabwürdigung religiöser Lehren und Beleidigung. Nun dürfte der Fall wohl geklärt sein. Wie die Exekutive mitteilt, wurde nach umfangreichen Ermittlungen ein 29-jähriger Einheimischer als Tatverdächtiger ausgemittelt werden. „Dieser ist zu dem ihm vorgeworfenen Tatbestand geständig. Es wird Anzeige an die Staatsanwaltschaft Innsbruck erstattet.“
Bürgermeister setzte private Belohnung aus
Halls Gemeindeoberhaupt, Christian Margreiter, setzte damals für den entscheidenden Hinweis zum Täter eine Belohnung von 10.000 Euro aus. „Weil mich das so aufregt. Das ist eine bösartige Handlung von verblendeten Menschen“, sagte er damals.
Die erfolgreiche Ermittlungsarbeit der Polizei ist nun freilich auch ihm nicht verborgen geblieben. Im Gespräch mit der „Krone“ erklärte er am Montag, dass er seinerzeit Informationen an die Polizei weitergegeben habe und eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft zu besagtem Fall weitergeleitet wurde.
Wenn die Infos dazu geführt haben, dass der Täter ausfindig gemacht wurde, dann steht ihnen das Geld auch zu.
Christian Margreiter, Bürgermeister Hall
Aufgrund der Auslobung habe er wichtige und interessante Hinweise erhalten und weitergeleitet. Die Meldungsleger wollten jedoch anonym bleiben, betonte der Gemeindechef. „Wenn die Infos dazu geführt haben, dass der Täter ausfindig gemacht wurde, dann steht ihnen das Geld auch zu.“ Abschließend betonte Margreiter, dass das Geld nicht aus der Stadtkasse, sondern aus seiner privaten Tasche kommt.
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