Den abgetrennten Kopf eines Schweines und einen Zettel mit der Aufschrift „Happy Ramadan ihr Affen!“ fand eine türkische Familie vor ihrer Wohnung in Hall in Tirol. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen, der Bürgermeister von Hall setzte eine Belohnung von 10.000 Euro für den entscheidenden Hinweis aus.
Als die Mutter der fünfköpfigen türkisch-muslimischen Familie am vergangenen Donnerstag gegen 4.30 Uhr zur Arbeit gehen wollte, machte sie die grausige Entdeckung: ein Schweinskopf auf dem Boden, an der Tür ein Zettel mit der Aufschrift „Happy Ramadan ihr Affen!“. „Ich erschrak sehr und schrie auf. Daraufhin kamen meine Tochter und mein Ehemann zu mir. Meine Tochter ist 15, ich wollte ihr diesen Anblick eigentlich ersparen“, schildert die Frau in einem Gedächtnisprotokoll.
Autoreifen zerstört, Strom gekappt
Die Familie will anonym bleiben – aus Angst, wie Orhan Gurcan von ADIF Innsbruck, der Vereinigung demokratischer Arbeiter aus der Türkei in Österreich, erklärt: Sie sei in den letzten Jahren immer wieder Angriffen ausgesetzt gewesen. Gurcan spricht von zerstörten Autoreifen und abgeschaltetem Strom, während die Familie im Urlaub war, sodass der Gefrierschrank aufgetaut sei.
„Sie waren mehrmals bei der Polizei und wollten auch Kameras im Gang installieren, doch die Hausverwaltung erlaubt das nicht.“ Die Exekutive konnte frühere Vorkommnisse aus Datenschutzgründen weder bestätigen noch verneinen.
Vernehmung bei der Polizei neun Tage später
Auch im jüngsten Fall wandte sich die Familie an die Polizei. Aber, so die Kritik: „Leider hörte man uns kaum zu.“ Man habe der Familie mitgeteilt, dass eine andere Person den rassistischen Vorfall bereits gemeldet habe und man zunächst diese befragen werde. „Wir erklärten, dass sich der Vorfall direkt gegen uns gerichtet habe und man bitte mit uns sprechen solle“, heißt es im Gedächtnisprotokoll der Mutter. Lediglich mit einer E-Mail-Adresse, an die man Fotos schicken sollte – der Schweinskopf war zu dem Zeitpunkt schon entsorgt –, sei man nach Hause geschickt worden.
Die Polizei erklärt: „Eine formlose, mündliche Befragung und Aufnahme der Angaben der Beteiligten erfolgte zum Zeitpunkt der Anzeigenaufnahme.“ Noch am selben Tag sei der Sachverhalt der Staatsanwaltschaft übermittelt worden. Mittlerweile hat die Familie einen Termin für die Vernehmung: kommenden Samstag, neun Tage nach dem Vorfall. Der Befragungszeitpunkt richtet sich laut Polizei nach dem Ermittlungsstand.
Ich war erschüttert, dass so etwas möglich ist. Das ist letztklassig.
Christian Margreiter, Bürgermeister von Hall in Tirol
Bürgermeister setzt privat Belohnung aus
Halls BM Christian Margreiter hat für den entscheidenden Hinweis zum Täter eine Belohnung von 10.000 Euro ausgesetzt: „Weil mich das so aufregt. Das ist eine bösartige Handlung von verblendeten Menschen.“ Margreiter geht davon aus, dass es der Polizei möglich ist, dem Täter auf die Schliche zu kommen. „Der Kopf schaut mir nach dem eines Spanferkels aus. Wenn das gegrillt wird, sind normalerweise viele Leute dabei. Vielleicht gibt es also die Möglichkeit, der Sache näher zu kommen.“
Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts der Herabwürdigung religiöser Lehren gegen unbekannt, zum aktuellen Stand machte man aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben.
Personen, die sachdienliche Hinweise liefern können, werden gebeten, sich mit der PI Hall in Tirol (059133/7110) in Verbindung zu setzen.
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