Das Festival von Aix-en-Provence startet den Reigen der bedeutenden sommerlichen Musikfestivals. Ab 2. Juli feiert man in der südfranzösischen Stadt Mozart und Richard Strauss ganz groß.
In der Provence ruft niemand: „Jedermann!“ Dafür ist Aix-en-Provence, einst sogar Hauptstadt der Region, mit seinen 150.000 Einwohnern ein Erzbistum – so wie Salzburg. Davon zeugt der prächtige Palast der Erzbischöfe. Sein Innenhof beherbergt heute das „Théâtre de l’Archevêché“, Hauptschauplatz des jährlich im Juli (heuer von 2. bis 21.) stattfindenden Musikfestivals.
Dessen Geburtsstunde schlug in der Nachkriegszeit, als der Hunger auf Kultur groß war. In Cannes rief man 1946 die Filmfestspiele ins Leben, das Theater bekam im Jahr darauf sein Festival d’Avignon. 1948 folgte die Musik: „Als ich mir Aix vorstellte, kam mir ein Operngesang in den Sinn. Fiordiligi und Dorabella liefen, beschwingten Geistern gleich, den Cours Mirabeau hinab, und Mozart lag mir auf den Lippen“, erinnerte sich Gabriel Dussurget, legendärer Impresario, Operndirektor und Gründervater der Festspiele.
Mit Hilfe der Gräfin Lily Pastré, einer Kunstmäzenin aus dem nahen Marseille, gelang es ihm, seinen lang gehegten, auch von Salzburg-Besuchen genährten Traum Realität werden zu lassen: ein „Mozart-Festival“. Neben Konzerten in der ganzen Stadt verzauberte Dussurget das Publikum der ersten Ausgabe mit Mozarts „Così fan tutte“. Im zweiten Jahr folgte „Don Giovanni“.
Große Aix-Gastspiele in Wien und Salzburg
Das Festival von Aix-en-Provence zählt mit den Festspielen in Bayreuth und Salzburg zu den drei international wichtigsten Opernfestivals. Das Repertoire reicht von Barock bis in die Gegenwart, denn Zeitgenössisches ist einer der Programmpfeiler. Bedeutende neue Opern wurden hier aus der Taufe gehoben: „Le Balcon“ (2002) von Peter Eötvös, „Written on Skin“ (2012) von George Benjamin, „Innocence“ (2021) von Kaija Saariaho oder „Dante“ (2022) von Pascal Dusapin. Heuer folgt die Novität „Accabadora“ des Italieners Francesco Filidei.
Dabei wird auch kooperiert und gastiert: Die Salzburger Osterfestspiele zeigten Wagners „Ring“ unter Simon Rattle. Bei den Wiener Festwochen, als sie ihrem Namen noch gerecht wurden, erlebte man Großes aus Aix. Etwa Händels „Hercules“ in der Regie Luc Bondys sowie herausragende Inszenierungen von Patrice Chéreau mit „Così fan tute“ und Janáčeks „Totenhaus“ unter Pierre Boulez.
Zuletzt begeisterte in Wien Romeo Castelluccis Deutung von Mozarts Requiem. Diese Produktion, unter dem inzwischen auch von Salzburg entdeckten Raphaël Pichon, wird am 4. Juli wiederaufgenommen.
Dem Salzburger gehört mit seiner „Zauberflöte“ sogar die Eröffnungsnacht des Festivals am 2. Juli: Clément Cogitore inszeniert, Leonardo García-Alarcón leitet seine Cappella Mediterranea und ein exzellentes Ensemble mit Sabine Devieilhe (Königin), Ying Fang (Pamina) oder der junge Sean Michael Plumb als Papageno. Sie alle waren Mitglieder der Festival-Akademie, denn auch die Nachwuchspflege steht in Aix im Mittelpunkt.
Der TV-Sender ARTE zeigt & streamt die Hauptproduktionen des Festivals
Die Aufzeichnungen sind auf www.arte.tv ein Jahr lang abrufbar.
Der zweite große Opernhappen folgt tags darauf mit dem Strauss-Hofmannsthal-Märchen „Die Frau ohne Schatten“. Der in Salzburg bestens bekannte Barrie Kosky inszeniert im Grand Théâtre de Provence, dem großen Festspiel-Haus. Jungstar Klaus Mäkelä dirigiert das Orchestre de Paris und Hochkaräter wie Michael Spyres (Kaiser), Vida Miknevičiūtė (Kaiserin) und Nina Stemme (Amme). Würden im schönen Aix nicht die Zikaden zu Mozart und Strauss zirpen, man könnte sich heuer fast an der Salzach wähnen.
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