Vor knapp zehn Jahren hat das Grazer Theater t’eig die letzte Produktion auf die Bühne gebracht. Nun gibt es im Stieglerhaus ein Wiedersehen mit Teilen der einst so umtriebigen Theatergruppe rund um Regisseur Thomas Sobotka. Er leitet mittlerweile das Vielspartenhaus in St. Stefan ob Stainz.
„Es ist keine Wiedervereinigung des Theater t’eig“, sagt Thomas Sobotka. Er muss selber schmunzeln bei dieser Aussage, denn natürlich trägt das Theaterprojekt, das kommende Woche im Stieglerhaus Premiere feiert, die Handschrift dessen, was das Theater t’eig einst ausgemacht hat. Ab 2008 haben Sobotka und die t’eig-Familie – darunter etwa Markus Boxler als Ausstatter, Christian Ruck, Karin Gschiel und Mona Kospach als Stammspieler – Klassiker der Dramatik in besonderen Bearbeitungen und an besonderen Orten auf die Bühne gebracht und hatten großen Erfolg.
Doch dann zog t’eig im Jahr 2018 die Reißleine. „Die Förderungen, die wir bekommen haben, waren immer genug, dass es sich gerade so ausgeht. Für Wachstum gab es keinen Platz, außer wir hätten noch mehr ideelle Kraft hineingesteckt. Und diese Ressourcen sind nach 30 Produktionen aufgebraucht“, erklärte Sobotka damals der „Krone“.
„Hier müsste man eigentlich Theater spielen“
Danach arbeitete er als Regisseur und Produktionsleiter bei den Salzburger Festspielen und La Strada, seit gut einem Jahr leitet er das Stieglerhaus in St. Stefan ob Stainz. „Lange bevor ich mich für diesen Posten beworben habe, war ich schon einmal hier. Und als ich den Garten gesehen habe, habe ich mir gedacht: Hier müsste man eigentlich Theater spielen“, erzählt er.
Um diese Idee nun mit einer Produktion, die vier Stücke von Tschechow miteinander verbindet, umzusetzen, holte er auch seine t’eig-Familie an Bord: „Mir war klar, dass ich die Themen von Tschechow mit persönlichen Erfahrungen der Mitwirkenden verbinden will“, sagt Sobotka. Und dafür hilft es natürlich, wenn man sich kennt und vertraut. Und so stehen nun etwa wieder Christian Ruck und Mona Kospach auf der Bühne und Markus Boxler macht die Ausstattung.
Thematisch fungieren die Landgüter, in die sich die Figuren in Tschechows Stücken „Die Möwe“, „Onkel Wanja“, „Drei Schwestern“ und „Der Kirschgarten“ zurückziehen, als Schauplatz für eine Beschäftigung mit der Provinz als ein Ort zwischen Sehnsucht und Ernüchterung: „Am Land lebt man sicher näher an der Natur als in der Stadt, und auch die Gemeinschaft ist oft enger. Aber es gibt auch fehlende Infrastruktur, und die Enge kann auch erdrückend sein“, sagt Sobotka. Genau mit diesem Spagat wollte er sich in der Collage „Tschechows Garten“ beschäftigen.
Die Arbeit mit den alten Weggefährten empfindet er als „schön und sehr bereichernd“. Dennoch wird es fürs Erste wohl ein einmaliges Projekt bleiben: „Das Stieglerhaus ist ein Vielspartenhaus, das ist mir auch wichtig. Und nachdem vom Land zuletzt eine Absage der Projektförderung kam, lassen die finanziellen Mittel leider nicht jedes Jahr so ein Theaterprojekt zu“, sagt Sobotka. Spannende Dinge hat er mit dem Stieglerhaus trotzdem vor. Und die alten Fans von t’eig dürfen sich ab 19. 8. zumindest auf eine Beinahe-Reunion freuen.
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