20 Grad und mehr

Steiermark: Zahl der Tropennächte nimmt rapide zu

Steiermark
27.06.2026 19:00

Die Hitze hält die Steiermark auch in der Nacht fest im Griff. Immer häufiger sinken die Temperaturen nicht mehr unter 20 Grad. Für den Körper sind sogenannte Tropennächte besonders belastend. Experten sehen im deutlichen Anstieg seit den 1980er-Jahren eine klare Folge des Klimawandels.

„Die vergangene Nacht war die bislang wärmste des Jahres“, eröffnet Konstantin Brandes vom Wetterdienst Ubimet am Samstag das Gespräch. In Laßnitzhöhe sank die Temperatur nicht unter 22,3 Grad – der höchste nächtliche Tiefstwert des Jahres in der Steiermark. Damit war es auch die bislang intensivste Tropennacht des Jahres.

Von einer Tropennacht spricht man, wenn die Temperatur nicht unter 20 Grad Celsius fällt. In der Steiermark nehmen Tropennächte seit den 1980er-Jahren deutlich zu, besonders stark seit etwa dem Jahr 2000.

(Bild: Krone KREATIV/stock.adobe.com)

Deutliches Nord-Süd-Gefälle
Die höchsten Mittelwerte treten aufgrund des Wärmeinseleffekts und der starken Verbauung in Graz sowie im Südosten der Steiermark auf. In den inneralpinen Tälern werden hingegen nach wie vor praktisch keine Tropennächte registriert. „Bei extremen Wetterlagen, wie zum Beispiel Föhn, sind auch in der nördlichen Obersteiermark rund ums Gesäuse Tropennächte möglich, selten auch im Murtal sowie rund um Leoben und Bruck“, so der Meteorologe.

Tropennächte sind eine logische Folge von Hitzetagen – und beides nimmt hierzulande kontinuierlich zu. „Die Statistik zeigt klar, dass die Werte über Jahrzehnte stabil waren und die Kurve seit den 1990er-Jahren steil nach oben geht“, sagt Brandes.

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Tropennächte nahmen zuletzt stark zu. So zählte man etwa in Graz von 1895 bis 1925 gesamt sieben, von 1995 bis 2025 waren es 97.

 Konstantin Brandes, Ubimet

Am Beispiel Graz lasse sich diese Entwicklung besonders deutlich ablesen: „Man sieht, dass sich die Zahl der Hitzetage von 1961 bis 1990 zu 1991 bis 2020 von drei auf 17 fast versechsfacht hat. Falls dieser Anstieg so weitergeht wie seit 1990, dürften wir in Graz in der nächsten Klimaperiode (2020-2050, Anmerkung der Redaktion) nicht mehr von 17, sondern eher von 30 und mehr Hitzetagen pro Jahr sprechen.“

Herz-Kreislauf-Probleme
Tropennächte sind aus medizinischer Sicht besonders belastend, weil dem Körper die lebenswichtige nächtliche Abkühlung fehlt. Das kann zu massivem Herz-Kreislauf-Stress und tiefgreifenden Schlafstörungen führen. Insbesondere ältere Menschen, chronisch Kranke und Personen mit Vorerkrankungen leiden unter den fehlenden nächtlichen Erholungsphasen.

Spätestens ab Mittwoch soll eine Kaltfront aus Westen für Abkühlung im ganzen Bundesland sorgen.
Spätestens ab Mittwoch soll eine Kaltfront aus Westen für Abkühlung im ganzen Bundesland sorgen.(Bild: Christoph Hartner)

Wissenschafter einig: Klimawandel als Ursache
Erst vor wenigen Tagen haben Wissenschafter des Wegener Center der Uni Graz prognostiziert, dass das Temperaturplus gegenüber dem vorindustriellen Niveau im Jahr 2026 voraussichtlich 1,62 Grad Celsius betragen wird, 2027 sogar 1,71 Grad. „Ursache ist die fehlende Ambition beim Klimaschutz. Vermeidbar gewesene Klimagefahren wie die derzeitige extreme Hitzewelle in Europa sind die direkte Folge“, sagte Klimaforscher Gottfried Kirchengast (wir haben berichtet).

Meteorologe Konstantin Brandes stößt ins selbe Horn: „Die Ursache für die Entwicklung ist zweifelsfrei der Klimawandel.“ Eine Hitzewelle wie die aktuelle wäre ohne den Klimawandel zwar ebenfalls möglich gewesen, „jedoch wäre sie kürzer und nicht so intensiv“ ausgefallen.

Wird steirischer Hitzerkord von 2013 geknackt?
Ob der bisherige Hitzerekord der Steiermark – 39,7 Grad wurden am 8. August 2013 in Fürstenfeld gemessen – in den kommenden Tagen geknackt wird, ist noch offen. Der Juni-Hitzerekord dürfte jedoch bereits am heutigen Sonntag fallen.

Spätestens ab Mittwoch sorgt eine Kaltfront aus Westen für Abkühlung im ganzen Bundesland. „Gewitter, Starkregen, Sturmböen und Hagel sind möglich. Die Temperaturen werden sich zwischen 25 und 28 Grad einpendeln“, sagt Martin Kulmer von der GeoSphere.

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