WM-Verzicht denkbar

Komplette Eskalation im österreichischen Eishockey

Eishockey
15.08.2026 06:30

Die Situation im österreichischen Eishockey ist komplett eskaliert: Die Leistungsträgerinnen des Nationalteams sind von der Führungsebene des Verbandes maßlos enttäuscht, vermissen Respekt, fühlen sich schikaniert. Der Tenor ist klar: „Wenn sich nichts ändert, verzichten wir auf die A-WM“.

Stell dir vor, Österreichs Eishockey-Frauenteam bestreitet kommenden November erstmals eine A-WM – und die besten Spielerinnen fahren nicht mit! Das Verhältnis zwischen dem Verband ÖEHV und Leistungsträgerinnen ist zerrüttet.

„Ich bin von der Art und Weise, wie die Verantwortlichen mit unserem Staff und unseren Spielerinnen umgehen, maßlos enttäuscht und will mich mit diesen Werten nicht identifizieren“, sagt Kapitänin Anna Meixner, „wenn nichts hilft und die Verantwortlichen nur so zur Vernunft zu bringen sind, bin ich bereit, auf die A-WM zu verzichten. Damit es der nächsten Generation besser geht.“

Anna Meixner, Kapitän des Eishockey-Nationalteams, in Aktion.
Anna Meixner, Kapitän des Eishockey-Nationalteams, in Aktion.(Bild: GEPA)

Kampf dauert schon Jahre
Das Team kämpft seit Jahren um Anerkennung, schickte seine Forderungen im März an den ÖEHV. Neun Punkte, wo es um professionellere Betreuung, Trainingsbedingungen, Unterkünfte, Respekt im Umgang oder finanzielle Rahmenbedingungen geht.

Verteidigern Antonia Matzka hat die Nase voll.
Verteidigern Antonia Matzka hat die Nase voll.(Bild: Johannes Ehn)

Viele Mängel
Verteidigerin Antonia Matzka zählt Mängel auf: „Wir mussten in Unterkünften teilweise in Stockbetten schlafen, uns im Jänner in einer Hütte ohne Heizung umziehen, bekommen als Team-Wear die Restbestände der Männer, die uns natürlich nicht gut passen. Und erfahren trotz privater Verpflichtungen wie Beruf, Studium oder Schule oft sehr kurzfristig von Einberufungen.“

„Es geht uns um Gleichbehandlung“
Die Spielerinnen fordern, dass ihre Leistungen vom Verband im gleichen Maße gewürdigt werden wie jene der Männer, erwarten bei Turnieren bzw. Camps künftig ebenso ein Taggeld. „Doch es geht uns keinesfalls nur ums Geld, sondern um Gleichbehandlung“, betont Meixner. Aber im Verband will keiner etwas davon wissen. Matzka: „Es geht nicht mehr um Leistung, sondern nur noch darum, uns weh zu tun. Der Verband gibt uns das Gefühl, etwas völlig Inakzeptables zu tun. Dabei kämpfen wir bloß für eine Gleichstellung.“

Sascha Tomanek von der Gewerkschaft Younion sagt: „Das respektlose Verhalten des ÖEHV seinen ...
Sascha Tomanek von der Gewerkschaft Younion sagt: „Das respektlose Verhalten des ÖEHV seinen besten Spielerinnen gegenüber macht mich sprachlos und traurig.“(Bild: GEPA)

„Das macht mich sprachlos und traurig“
Der Verband schaltete sofort einen Anwalt ein, die Spielerinnen werden von der Gewerkschaft Younion durch Sascha Tomanek und Patrick Harand vertreten. „Die Forderungen wurden allesamt nicht erfüllt, das respektlose Verhalten des ÖEHV seinen besten Spielerinnen gegenüber macht mich sprachlos und traurig“, resümiert Tomanek.

Der Verband kündigte in einem Mail am 13. Juli ein neues Vergütungs- und Entschädigungsmodell ab 2027 für Herren und Frauen an, wollte dafür eine Zusage der Spielerinnen bis 15. Juli. Da für die Frauen aber weiter viele Fragen offen blieben, baten sie um ein Gespräch bis 31. Juli – ohne Erfolg! Die Situation eskalierte: Der ÖEHV feuerte Team-Manager Christian Klepp, Athletik-Coach Michael Ganster und Torhüter-Trainer Joey Vollmer. Matzka: „Jene drei, zu denen wir das beste Verhältnis haben.“

Torhüterin Selma Luggin, die beim Aufstieg 2025 zur besten Torfrau des Turniers gewählt wurde, ...
Torhüterin Selma Luggin, die beim Aufstieg 2025 zur besten Torfrau des Turniers gewählt wurde, wurde aus dem Kader gestrichen.(Bild: GEPA)

„Können nicht so einfach freinehmen“
Um für das nächstwöchige Turnier in der Slowakei, zugleich die WM-Generalprobe, einberufen zu werden, mussten die Spielerinnen kurzfristig einen Fitness-Test bei Sport Austria bestreiten, „in Ferlach oder Salzburg. Ein Drittel der Spielerinnen lebt in Wien, wir können nicht so einfach freinehmen.“

Meixner, Charlotte Wittich und Annika Fazokas mussten verletzt bzw. erkrankt passen, wurden ebenso aus dem Kader gestrichen wie Selma Luggin. Letztere, beim Aufstieg 2025 zur besten Torfrau des Turniers gewählt, hatte aber den Test absolviert. Sie haben laut Matzka wie auch Theresa Schafzahl und Magdalena Luggin die Nase voll, fühlen sich schikaniert – keine der sieben wird zum Camp in die Slowakei fahren!

„Das Vertrauen zwischen Spielerinnen und der Führung ist nicht mehr da. Wenn sich da nichts ändert, verzichten wir auch auf die WM“, betont Matzka. „Man bekommt das Gefühl, der Verband tut alles Mögliche, um bei der A-WM nicht dabei oder zumindest nicht erfolgreich zu sein“, mutmaßt Tomanek.

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