Die Prognose der Grazer Klimaforscher rund um Gottfried Kirchengast ist alarmierend: Bereits bis 2027 könnte die Erde um 1,71 Grad wärmer sein als vor der Industrialisierung. Noch heuer soll die 1,5-Grad-Grenze des Pariser Klimaabkommens überschritten werden.
Erstmals ist es Klimawissenschaftlern gelungen, die globale Erwärmung gleich für zwei Jahre im Voraus präzise vorherzusagen – und diese Prognose hält beunruhigende Rekorde bereit: Demnach liegt der Temperaturanstieg noch im heurigen Jahr bei 1,62 Grad, 2027 sogar bei 1,71 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau.
Hinter der Prognose, die am Donnerstag veröffentlicht wurde, steckt ein Duo vom Wegener Center der Uni Graz: der Klimaphysiker Gottfried Kirchengast und sein Doktorand Moritz Pichler. Gemeinsam haben sie eine Methode entwickelt, die Beobachtungsdaten mit Saisonvorhersagen und dem Wissen über El-Niño-Zyklen kombiniert. „Eine derart frühe und genaue Vorhersage gleich für zwei Jahre, kombiniert mit einer Langfristprognose bis 2035, ist ein echtes Novum“, sagt Kirchengast.
Ursache ist die fehlende Ambition beim Klimaschutz. Vermeidbar gewesene Klimagefahren wie die derzeitige extreme Hitzewelle in Europa sind die direkte Folge.

Dr. Gottfried Kirchengast
Bild: Uni Graz/Gerd Neuhold
Auswirkungen aktuell spürbar
Wer meint, das Problem wäre ganz weit weg, irrt. Die aktuelle Hitzewelle mit Prognosen für die Steiermark mit bis zu 40 Grad am Wochenende haben Kirchengast und sein Kollege Jürgen Fuchsberger ebenso analysiert. Ihr Befund: Selbst einzelne Extremwetterereignisse wie dieses sind auf die globale Erwärmung zurückzuführen. Kirchengast: „Ich bin durch mein Vorwissen fachlich nicht überrascht, aber wirklich bestürzt, wie deutlich wir an einer einzelnen Hitzewelle schon den Einfluss der Erderwärmung und damit das bisherige Klimaschutzversagen sehen.“
Natürliche Klimaschwankungen wie El Niño spielen bei alledem übrigens nur eine Nebenrolle. Die primäre Ursache der Erwärmung ist laut den Grazer Forschern eine andere: Österreichs Treibhausgas-Ausstoß ist 2025 nach Jahren des Rückgangs erstmals wieder gestiegen, um rund zweieinhalb Prozent — auch weil es hierzulande nach wie vor kein Klimaschutzgesetz mit einem klaren Zielpfad gibt. Ein Trend, der weltweit zu beobachten ist.
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