„Krone“-Kommentar

Grauslichkeiten, die vor Gästen versteckt bleiben

Innenpolitik
27.06.2026 05:00

Ein Menü, fabriziert aus um die halbe Welt zu uns gekarrtem Fleisch oder ebensolchen Eiern – bloß der Gast erfährt es nicht. Vor uns Konsumenten versteckt man Geschmacklosigkeiten, die nicht selten zu Grauslichkeiten ausarten.

 „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß“, denken sich jene, die Billigstprodukte mit verschleierter Herkunft servieren. So wehren sich Teile der Wirtschaft auch mit aller Macht gegen eine Lebensmittel-Herkunftsbezeichnung in der Gastronomie.

Der Kommentar zu den großen Themen, die Österreich betreffen: Klaus Herrmann, Chefredakteur
Der Kommentar zu den großen Themen, die Österreich betreffen: Klaus Herrmann, Chefredakteur(Bild: Krone KREATIV/Imre Antal, stock.adobe.com)

In der Kanzlerpartei ÖVP tobt dabei ein Krieg zwischen dem Wirtschafts- und dem Bauernbund. Die Positionen liegen diametral auseinander: Während die Wirtschaft kein Interesse an der Kennzeichnung hat, wollen die Bauern eine genaue Herkunftsbezeichnung. Aus durchaus legitimem Eigeninteresse: Erfährt der Gast, woher die Produkte stammen, greift er naturgemäß viel eher zu österreichischer Qualität.

Diese Wahl haben wir Gäste bisher nicht.

Wir wollen sie aber, wie eine Umfrage im Auftrag der „Krone“ bewies: Vier von fünf Österreichern verlangen eine verpflichtende Herkunftsbezeichnung.

Nun wurde in der ÖVP nach langem Ringen ein Kompromiss gefunden. Wir berichten heute darüber. Ein entscheidendes Schlagwort dabei: Man setzt auf „Freiwilligkeit“.

Warum nicht verpflichtend? Der gelernte Österreicher muss Zweifel bekommen und befürchten, man wolle weiter Billigstware aus dem Ausland vor den Gästen verstecken.

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