Auf einen Schlag

Bald fünf Pflegehäuser weniger – das ist der Grund

Wien
24.06.2026 18:35

Der Wiener Gesundheitsverbund baut seine neun Pflegewohnhäuser grundlegend um. Vier werden zu geriatrischen Kliniken — mit klarem Fokus auf Remobilisation und Nachsorge. Was das konkret für Patienten bedeutet, welche Häuser betroffen sind und ab wann die weitreichende Pflegereform tatsächlich greift.

Wien altert, bleibt dabei aber nicht gesund — und der Wiener Gesundheitsverbund zieht Konsequenzen. Am Dienstag präsentierte der Wigev eine tiefgreifende Neuausrichtung seiner neun Pflegewohnhäuser. Vier Häuser werden zu geriatrischen Kliniken, fünf bleiben als Pflegewohnhäuser — mit klar getrenntem Leistungsprofil.

Generaldirektorin Evelyn Kölldorfer-Leitgeb: „Mit den neuen Geriatrischen Kliniken und Pflegewohnhäusern schaffen wir eine zukunftsfähige Struktur, in der ältere Menschen genau jene medizinische, therapeutische und pflegerische Unterstützung erhalten, die sie benötigen.“

Derzeit versorgt der Wigev in seinen neun Wiener Häusern 2472 Bewohner. Das Leistungsspektrum ist bisher breit gemischt: allgemeine Langzeitpflege, Wachkoma, Gerontopsychiatrie, Kurzzeitpflege und Langzeitbeatmung — alles unter einem Dach. Das soll sich ändern.

Anita Bauer (FSW), Evelyn Kölldorfer-Leitgeb und Günter Bauer (beide Wiener Gesundheitsverbund)
Anita Bauer (FSW), Evelyn Kölldorfer-Leitgeb und Günter Bauer (beide Wiener Gesundheitsverbund)(Bild: Philipp Stewart)

Erst operiert, dann direkt remobilisiert
Vier Häuser — Leopoldstadt, Simmering, Baumgarten und Donaustadt — werden künftig als geriatrische Kliniken mit rund 1490 Betten geführt. Kernstück ist der Ausbau von Akutgeriatrie sowie Remobilisation und Nachsorge. Das Prinzip: Ältere Menschen, die nach einem Sturz operiert aus dem Krankenhaus entlassen werden, kommen nicht mehr wochenlang auf der Unfallchirurgie zum Liegen — sie werden sofort zielgerichtet mobilisiert.

„80 Prozent dieser Patienten können wir danach wieder nach Hause schicken“, so Kölldorfer-Leitgeb. Heißt: Statt teurer Spitalsbetten übernehmen die geriatrischen Kliniken die Nachsorge — günstiger, mit klarem Rehabilitationsfokus.

Demenz und Pflege als Kernthemen der Zukunft
Die anderen fünf Häuser — Floridsdorf, Innerfavoriten, Liesing, Meidling und Rudolfsheim-Fünfhaus — konzentrieren sich auf Pflege und Betreuung mit rund 1280 Pflegeplätzen, Schwerpunkt Langzeitpflege und Demenz. FSW-Geschäftsführerin Anita Bauer: „Demenz ist das riesige Thema, das wir in der Pflege haben.“ Der Fonds Soziales Wien (FSW) fördert in Wien insgesamt rund 17.200 stationäre Pflegeplätze und koordiniert künftig, wer in welchem Haustyp versorgt wird.

Die Umsetzung erfolgt schrittweise: Bis Ende 2027 sollen die rechtlichen Grundlagen geregelt sein, bis 2031 ist die vollständige Umstellung geplant. Wigev-Pflegedirektor Günter Bauer: „Am Ende des Tages werden wir zwei unterschiedliche Häusertypen haben, gut spezialisiert und eine sehr bedarfsgerechte Versorgung bieten.“ Die Bettenanzahl bleibt stabil — was sich verändert, ist die Spezialisierung.

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