„Krone“-Ombudsfrau

Sanitäter sind bei Rettungseinsatz oft überfordert

Ombudsfrau
24.06.2026 12:19
Porträt von Ombudsfrau
Von Ombudsfrau

Schuld sind aber nicht die engagierten Retter selbst. Sondern die Gesetze, die noch immer keine umfassende Ausbildung vorschreiben. Betrachtet man die Situation im europäischen Vergleich, stellt sich die Frage, warum die Politik nicht längst gehandelt hat. 

Immer wieder haben Betroffene der Ombudsfrau jüngst geschildert, dass die zu einem Notfall alarmierten Ersthelfer überfordert gewirkt und lediglich auf das Eintreffen des Notarztes gewartet haben. Nach unserem Bericht über den Tod einer 14-Jährigen nach einem schweren Asthmaanfall hat uns Notfallsanitäter Marcel Hagen aus Vorarlberg auf die mangelhafte Ausbildung von Sanitätern hierzulande aufmerksam gemacht.

„Rettungsdienst muss ins Jahr 2026“
Er selbst arbeitet mittlerweile in Deutschland. „Österreich muss sich endlich eingestehen, dass der Rettungsdienst ins Jahr 2026 gehievt werden muss. Dies ist nur mit einer dreijährigen Vollzeitausbildung sowie adäquater Fahrzeugbesetzung und -ausstattung möglich“, betont er.

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Es fehlt auch eine verbindliche Vorgabe zu Mindestbesatzung, Ausstattung, Qualitätsberichten, Hilfsfristen etc., wie sie international üblich sind.

Florian Zahorka, Bundesverband Rettungsdienst

Österreich hinkt international hinterher
Der Bundesverband Rettungsdienst (BVRD) fordert das ebenfalls. „Rund um Österreich gibt es kein Land mehr, das keine mindestens dreijährige Ausbildung für Rettungssanitäter vorgesehen hat“, schildert Vorstandsmitglied Florian Zahorka. Der Verband fordert für Österreich die Etablierung eines eigenen Gesundheitsberufes im Rettungsdienst, den es  überall anders längst gebe.

Zu wenig Ausbildung für zu viel Verantwortung
Das bedeute nicht, die Abschaffung des wichtigen Ehrenamtes auf diesem Gebiet, aber eine mehr als notwendige Ergänzung. „In Österreich werden Kolleginnen und Kollegen regelhaft zu Einsätzen geschickt, auf die sie unzureichend vorbereitet sind. Viele setzen sich sogar für eine weiterführende Ausbildung ein, scheitern aber an den Rahmenbedingungen.“

Nur ein Bruchteil hoch qualifiziert
Zum Vergleich führt Zahorka etwa den Beruf der Pflegeassistenten an. Dort sei eine Ausbildung von 1600 Stunden zu absolvieren. Jemand mit der höchsten Ausbildungsstufe im österreichischen Rettungsdienst habe lediglich 980 Stunden vorzuweisen. Und das seien von rund 48.000 Sanitätern hierzulande nur 1,5 Prozent! „In Deutschland oder der Schweiz darf man mit dieser Ausbildung höchstens Assistenzaufgaben übernehmen“.

800 Millionen Einsparungspotenzial
Der BVRD hat eine Berechnung angestellt. Mit entsprechend kompetent ausgebildeten Sanitätern ließen sich rund 800 Millionen Euro (!) jährlich einsparen. Derzeit bliebe im Notfall oft nur übrig, Patienten in die nächste Notaufnahme zu bringen.

Auch Ärzte drängen auf Veränderung
Auch die Österreichische Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI) fordert eine Reform der Sanitäterausbildung. Damit könnten nicht nur die Notaufnahmen und Ambulanzen entlastet werden, sondern auch die Notarztdienste. 80 Prozent der Einsätze von Notärzten könnten laut ÖGARI von qualifiziertem Sanitätspersonal erfüllt werden.

Positive Beispiele
Alle Rufe nach Reformen sind bisher an der Politik gescheitert. Dazu kocht jedes Bundesland sein eigenes Süppchen. In Wien ein Vorteil. Hier setzt sich die Wiener Berufsrettung seit Längerem für eine bessere Ausbildung ein und bildet ihre Sanitäter über das gesetzliche Niveau hinausgehend aus. „Wir möchten alle bestmöglich auf den Einsatz vorbereiten. Unter anderem mit Simulationstraining unter realistischen Bedingungen haben wir Aus- und Fortbildung auf einem top modernen Niveau“, betont der Leiter Rainer Gottwald.

Um die Hälfte weniger Krankenhausaufenthalte
In Niederösterreich zeigen die Acute Community Nurses (eine Zusammenführung aus Gesundheits- bzw. Krankenpfleger und Notfallsanitäter) wie es gehen kann. „In rund der Hälfte von 20.000 Einsätzen konnte ein Krankenhausaufenthalt verhindert werden“, erklärt Florian Zahorka.

Und genau das wäre wichtig. Denn derzeit landen zu viele Patienten mit der Rettung in den überfüllten Notaufnahmen. Weil die Sanitäter nicht entscheiden und behandeln dürfen.  „Alleine die ÖGK nennt rund eine Million Notfalltransporte, von denen 60 Prozent nach ambulanter Abklärung unmittelbar wieder entlassen werden“, so Zahorka weiter.

Politik muss handeln
Eine bessere Ausbildung von Österreichs Sanitätern wäre also nicht nur im Sinne aller Patienten, sondern auch eine wichtige Entlastung des Systems, das bereits am Limit ist. Wird sich die Politik drüber trauen?

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