Robert Schmid, geschäftsführender Gesellschafter der Schmid Industrieholding mit Sitz in Niederösterreich, kritisiert die Förderungsfreude hierzulande. Unternehmen würden so auf Mittel warten, statt zu handeln. „Sie ist wirklich Gift“ und hemme fairen Wettbewerb. Warum Polen für ihn der stärkste Wachstumstreiber ist und was den Wohnbau so teuer macht ...
Für Schmid stehe die heimische Bauwirtschaft vor einigen Problemen. Ein Beispiel ist die Erreichung der Klimaziele (dem European Green Deal), die laut ihm ohne eine stärkere Sanierung von Gebäuden kaum erreichbar ist. Die Politik konzentriere sich derzeit zu stark auf den Austausch von Heizungen, während die Dämmung von Gebäuden vernachlässigt werde. Dabei verursachen Gebäude laut Schmid rund ein Drittel der CO2-Emissionen.
Auch die Baustoffindustrie selbst steht unter Druck. Rund zehn Prozent der österreichischen CO2-Emissionen entfallen laut dem Holding-Chef auf die Kalk- und Zementindustrie. Zwei Drittel dieser Emissionen würden allerdings direkt im Produktionsprozess und nicht durch den Energieverbrauch entstehen. Deshalb fordert er mehr Offenheit für Technologien wie die Speicherung von CO2 im Boden (Carbon Capture and Storage – kurz CCS). Bevor über Kosten und Nutzen diskutiert werde, müsse deren Einsatz überhaupt erlaubt werden. „Wenn wir diese Materialien weiter nutzen wollen – und Beton ist nach Wasser das meistverwendete Gut der Welt –, dann müssen wir auch über technische Lösungen reden“, sagt der Unternehmer.
Wohnbau durch Auflagen immer teurer
Sorge bereitet Schmid die Entwicklung im Wohnbau. Nicht die Baustoffe seien der Kostentreiber, sondern die Vielzahl an Vorschriften und technischen Anforderungen. Vor allem die Haustechnik verursache immer höhere Kosten. Ihr Anteil an den Gesamtinvestitionskosten sei in den vergangenen zwei Jahrzehnten von rund 15 bis 20 Prozent auf mittlerweile etwa 50 Prozent gestiegen.
Ich hasse Förderungen, jegliche Förderung, alleine, dass man sich an die Mittel gewöhnt, ist wirklich Gift.
Robert Schmid, geschäftsführender Gesellschafter der Schmid Industrieholding
Gegenüber Förderungen äußert Schmid Vorbehalte. Sie würden oft dazu führen, dass Investitionen aufgeschoben werden, weil auf die nächste Finanzspritze gewartet werde. „Ich hasse Förderungen, jegliche Förderung, allein, dass man sich an die Mittel gewöhnt, ist wirklich Gift“, kommentiert er. Langfristig brauche es weniger davon und mehr wirtschaftliche Planungssicherheit. „Die Politik sollte möglichst wenig verhindern und möglichst wenig fördern – sondern faire Rahmenbedingungen schaffen, damit Unternehmen investieren und wachsen können.“
Ebenfalls kritisch sieht der Unternehmer die zunehmende Bürokratie, da immer mehr Mitarbeiter in der Verwaltung mit Themen wie Datenschutz im Unternehmen gebunden wären. Diese Aufgaben seien zwar notwendig, würden aber kaum zur eigentlichen Wertschöpfung beitragen und die Produktivität belasten.
Polen als wichtiger Wachstumsmotor
Wirtschaftlich zeigt sich die Schmid Industrieholding robust. Während der Markt in Österreich und Deutschland nur wenig wachse, entwickle sich dagegen beispielsweise das Geschäft in Polen sehr positiv, dort erziele man zwischen 150 und 200 Millionen Euro Umsatz im Jahr. Für Schmid zählt das achtgrößte Land der EU zu den dynamischsten Wirtschaftsräumen Europas. Polen habe sich in den vergangenen Jahrzehnten stark entwickelt und zeichne sich durch Unternehmergeist, Investitionsbereitschaft und stabile Rahmenbedingungen aus. Die Gruppe produziert dort unter anderem Baustoffe, wie Mörtel und Dämmstoffe. Hierzulande entwickle sich die Baumit-Gruppe besonders stabil, im Gegenteil zum Dämmstoffgeschäft der Austrotherm, das stark von schwankenden Rohstoffpreisen abhängig sei. Auch traditionelle Geschäftsbereiche wie die Gießerei-Chemie hätten unter der Deindustrialisierung Europas gelitten.
Die Schmid Industrieholding beschäftigt rund 7000 Mitarbeiter in den 20 Baugruppen in ganz Europa und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von etwas mehr als zwei Milliarden Euro. Für das laufende Jahr erwartet Schmid ebenfalls ein Ergebnis in der Größenordnung. Besonders wichtig sei für das Unternehmen die Ausbildung eigener Fachkräfte. Die Gruppe bilde rund 40 Lehrlinge aus und verzeichne regelmäßig mehr Bewerber als verfügbare Ausbildungsplätze.
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