Iraker (15) in Haft

Tortur einer 14-Jährigen: „Am Anfang war er nett“

Wien
09.08.2026 15:20

Nach einem brutalen Übergriff in einem Wiener Stiegenhaus legte eine erst 14-Jährige ihr Martyrium offen. Monatelang habe sie Gewalt durch einen Iraker (15) erfahren. Und auch die Anzeige stoppte ihn nicht – Chat-Nachrichten zeigen sogar das Gegenteil.

Der Akt hat über 660 Seiten. Und eines ist klar: Die 14-Jährige war gefangen in einem Strudel – aus Manipulation, Drohung und Gewalt. „Ich hab ihn im Juli 2025 bei einer Jugendreise in Salzburg kennengelernt“, spricht das Mädchen bei der Polizei in Wien über ihren 15-jährigen Ex-Freund. „Am Anfang war er nett.“ Im Dezember begann die Beziehung zwischen den zwei Jugendlichen so richtig – und damit das Martyrium der Schülerin.

Bursche zwang Schülerin, sich zu verschleiern
Im Februar: „Er hat mir eine Watsche und eine Kopfnuss gegeben. Ab dem Zeitpunkt wurde er immer öfter gewalttätig.“ Sie erzählte das niemandem, war völlig vereinnahmt von dem jungen Iraker. „Es passierte immer in einem Stiegenhaus“, erinnert sie sich. Sie spricht von völliger Kontrolle und Machtlosigkeit. „Ich wollte das nicht, habe aber irgendwann alles über mich ergehen lassen.“ 

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Er hat mich unterdrückt und ich durfte nie machen, was ich wollte. Er hat mich komplett kontrolliert.

14-Jährige bei der Polizei

Der 15-Jährige habe ihr den Kontakt zu Freunden untersagt, zu anderen Burschen sowieso. Soweit es ging, habe er versucht, sie von ihrer Familie abzukapseln. Denn die Wienerin lebte in einem Krisenzentrum der MA 11, pflegte aber trotzdem eigentlich guten Kontakt zu ihrer Mutter. „Er hat mir vorgeschrieben, was ich anziehen soll“, sagt die 14-Jährige außerdem – die anfing, sich völlig zu verschleiern.

Auch vor Polizei noch geschützt
Als ihre Mutter Anzeige erstatten wollte und ein Kontaktverbot erwirken konnte, zeigte sich, wie manipuliert das Mädchen bereits war. Trotz eindeutiger Chat-Nachrichten nahm sie ihren Peiniger in Schutz. Auf seinen Befehl hin zerstörte die 14-Jährige sogar ihr Handy, das eigentlich von der Polizei sichergestellt werden sollte.

Melanie Kolar (Kanzlei Rast & Musliu) vertritt die 14-Jährige im Verfahren.
Melanie Kolar (Kanzlei Rast & Musliu) vertritt die 14-Jährige im Verfahren.(Bild: Gerhard Bartel)

Besonders verstörend: „Er hat mir mehrmals geschrieben, dass ich mich selbst verletzen soll“, gibt sie schließlich zu. „Er hat in seinen Nachrichten geschrieben: Mach schnell. Und hat runtergezählt von 10.“ Dann habe sie ihm Fotos davon schicken müssen.

Intime Fotos verbreitet
Aus diesem Martyrium wollte das Mädchen am 7. Juli endlich fliehen – sie versuchte es zumindest. Nach einer brutalen Vergewaltigung in einem Stiegenhaus im 20. Bezirk ging sie zur Polizei, legte dort Verletzungsfotos und Screenshots vor. Am Tatort fanden die Ermittler Blutspuren. Zwei Wochen verbrachte die Jugendliche stationär auf der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Besserung war in Sicht.

Besonders nachdem die 14-Jährige Anzeige erstattete bombardierte der Bursche sie und ihre ...
Besonders nachdem die 14-Jährige Anzeige erstattete bombardierte der Bursche sie und ihre Freunde mit Drohnachrichten.(Bild: Krone-Collage/zVg)

Doch dann wurden die Drohungen des Irakers nur schlimmer. Die Anzeige, die gegen ihn erstattet wurde, dürfte ihn nicht abgeschreckt haben. Über falsche Accounts in sozialen Netzwerken bombardierte er sie und ihre Freunde – drohte laufend, sie umzubringen. Letztlich verschickte er intime Aufnahmen der erst 14-Jährigen.

Am 19. Juli klickten dann die Handschellen wegen Tatbegehungs- und Verdunkelungsgefahr. Der 15-Jährige sitzt in Untersuchungshaft in der Justizanstalt Munnichplatz und beteuert, nichts von Drohungen zu wissen. Nun wird wegen Vergewaltigung, gefährlicher Drohung und mehr ermittelt. Es gilt die Unschuldsvermutung.

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