„Nicht für uns da“

Trump nimmt nun Deutschland und London ins Visier

Außenpolitik
23.06.2026 09:35
Porträt von krone.at
Von krone.at

Der Besuch von NATO-Generalsekretär Mark Rutte in Washington steht kurz bevor. US-Präsident Donald Trump zeigt sich schlecht gestimmt – und wirft mehreren europäischen Verbündeten erneut mangelnde Unterstützung vor.

Rutte wird von Dienstag bis Donnerstag in Washington erwartet. Geplant ist unter anderem ein Treffen mit Trump im Weißen Haus, auch Gespräche mit anderen ranghohen Regierungsvertretern sind vorgesehen. Doch die Zeichen stehen auf Sturm. So beschwerte sich der US-Staatschef im Weißen Haus: Über Jahre hätten die USA enorme Summen für den Schutz Europas ausgegeben. Als Washington selbst Hilfe erbeten habe gegen den Iran, seien wichtige Partner jedoch nicht für die Vereinigten Staaten da gewesen.

Er nannte dabei Großbritannien, Deutschland und Italien. „Wir haben sie gebeten zu kommen, und sie waren nicht für uns da“, schoss er um sich. Konkreter wurde Trump dabei nicht. US-Regierungsvertreter hatten NATO-Verbündeten bereits zuvor mehrfach beschuldigt, die USA nicht ausreichend im Krieg gegen den Iran gestärkt zu haben.

Mark Rutte
Mark Rutte(Bild: AFP/SIMON WOHLFAHRT)

Nun stellte der US-Präsident auch amerikanische Sicherheitszusagen für Europa indirekt infrage. Washington gäbe Hunderte Millionen Dollar aus, um europäische Staaten vor Russland zu schützen. Wenn Verbündete den Vereinigten Staaten bei vergleichsweise kleinen Angelegenheiten nicht helfen wollten, könne Washington künftig ebenfalls Nein sagen.

„Trumps Äußerung sind unverständliche Beleidigung“
Der italienische Außenminister und stellvertretende Ministerpräsident Antonio Tajani bezeichnete die scharfen Attacken von US-Präsident Donald Trump auf Italien als „unverständliche Beleidigung“ und spekulierte über mögliche Hintergründe. „Das ist unverständlich, vielleicht ist es ein Ablenkungsmanöver. Wir mussten darauf reagieren“, erklärte Tajani gegenüber dem TV-Sender Rete 4 am Montagabend.

Antonio Tajani
Antonio Tajani(Bild: AFP/SIMON WOHLFAHRT)

„Wir verdienen Respekt und haben entsprechend geantwortet. Italien stellt zudem die meisten Soldaten in NATO-Missionen weltweit, auch zur Verteidigung des Westens. Wir sind ein vorbildliches Land und erhöhen außerdem unsere Ausgaben für die NATO“, so der Außenminister, der in der Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni auch den Posten des Vizepremiers innehat.

Tajani sagte Reise nach Miami ab
Der Minister erklärte, er habe eine geplante Reise nach Miami abgesagt, um auf die Äußerungen mit einer „entschlossenen Antwort“ zu reagieren. Die Beleidigung habe sich nicht nur gegen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, sondern gegen ganz Italien gerichtet. „Trump hat weder mit Wladimir Putin noch mit anderen Politikern auf diese Weise gesprochen, wie er es gegenüber Meloni getan hat“, sagte Tajani.

Italiens Ministerpräsidentin Meloni betonte laut Regierungskreisen bei einer Kabinettsitzung am Montagnachmittag, dass der Schlagabtausch mit Trump die Beziehungen der italienischen Regierung zu den Vereinigten Staaten nicht beeinträchtigen dürfe. Zugleich rief Meloni ihre Minister auf, am 2. Juli am Empfang der US-Botschaft in Rom zum amerikanischen Unabhängigkeitstag teilzunehmen. Meloni begründete dies auch mit der bisher sehr positiven Zusammenarbeit mit dem US-Botschafter in Italien, Tilman Fertitta.

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