Kinderhandel-Prozess
Indien: Gericht spricht Ordensschwestern frei
Die Anschuldigungen sorgten international für Schlagzeilen. Eine Ordensschwester und zwei Mitarbeiterinnen eines Hauses für unverheiratete Mütter in Indien wurden im Jahr 2018 wegen Kinderhandels festgenommen und wenig später angeklagt. Acht Jahre später sind die Mitglieder der von Mutter Teresa gegründeten Kongregation von allen Vorwürfen freigesprochen worden.
Die Entscheidung des Bezirksgerichts in Ranchi vom vergangenen Donnerstag betrifft Schwester Concilia, die 2018 gemeinsam mit zwei Mitarbeiterinnen eines Hauses für unverheiratete Mütter in der Stadt Ranchi festgenommen worden war. Ihnen war vorgeworfen worden, ein 14 Tage altes Kind illegal vermittelt zu haben. Die Vorwürfe basierten auf einer Anzeige der lokalen Kinderschutzbehörde. Im Verlauf des Verfahrens war die Angeklagte zunächst in Untersuchungshaft genommen und erst nach 14 Monaten auf Kaution freigelassen worden. Ein Antrag auf vorzeitige Haftentlassung war zuvor auch vom Obersten Gerichtshof Indiens abgelehnt worden.
Schwester: „Wir danken Gott für dieses Urteil“
Nach der Urteilsverkündung erklärte Schwester Concettina, Generalsekretärin der Missionarinnen der Nächstenliebe in Kolkata, die Entscheidung sei eine Antwort auf anhaltende Gebete gewesen. „Wir danken Gott für dieses Urteil“, sagte sie laut dem Portal mattersindia.com. Der Erzbischof von Ranchi, Vincent Aind, bezeichnete das Verfahren als belastende Zeit für die Kirche Indiens. „Nach acht langen Jahren ist diese Tortur nun beendet“, erklärte er mit Blick auf das Urteil.
Zwei in staatliche Obhut übernommene Kinder verstorben
Der frühere Generalsekretär der Indischen Bischofskonferenz, Bischof Theodore Mascarenhas, sprach gegenüber dem Sender EWTN von einer nun erfolgten „Zurückweisung konstruierter Vorwürfe“ durch die Justiz. Nach seiner Darstellung seien die Anschuldigungen Teil einer gezielten Kampagne gewesen, „um das Ansehen der Kirche zu beschädigen“, eingebettet in das politische Klima im Bundesstaat Jharkhand zur Zeit der hindu-nationalistischen Regierung, in dem es koordinierte Versuche gegeben habe, kirchliche Einrichtungen zu diskreditieren.
Im Zusammenhang mit dem Verfahren seien laut Mascarenhas zudem 22 Kinder – vom Säuglingsalter bis knapp fünf Jahren –, die in einem nahe gelegenen Heim der Missionarinnen der Nächstenliebe in Hinoo medizinisch und ernährungsbezogen betreut worden seien, von staatlichen Stellen in Obhut genommen worden; zwei dieser Kinder seien später verstorben.
Scharfe Kritik an indischem Rechtsstaat
Scharfe Kritik an der indischen Justiz äußerte P. George Mutholil, früherer Regionalberater der Jesuiten für Südasien. Die betroffenen Personen wie auch der Orden habe eine „tiefgreifende Reputations- und Vertrauensschädigung“ erfahren, wobei es keine strukturierten Mechanismen der Rehabilitierung oder Wiedergutmachung gäbe. Der Rechtsstaat komme seiner Verantwortung nicht nach, „wenn die Wiederherstellung der Ehre nach einem Freispruch dem Zufall überlassen bleibt“, so der Jesuit.










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