„Das ist barbarisch“

Venedig-Eintritt könnte bald zehnmal so teuer sein

Ausland
19.06.2026 18:19
Porträt von krone.at
Von krone.at

Fünf bis zehn Euro müssen Touristen für ihren Besuch in Venedig an den Hauptreisetagen aktuell zahlen. Geht es nach dem neuen Bürgermeister müssen Touristen in Zukunft deutlich tiefer in die Tasche greifen, um durch die Straßen Venedigs zu spazieren.

Die Debatte über die Touristensteuer in Venedig verschärft sich. Der neue Bürgermeister Simone Venturini will die bestehende Zugangsgebühr für Tagesgäste deutlich erhöhen. Aktuell zahlen Besucher an Hauptreisetagen zwischen fünf und zehn Euro. Venturini schwebt vor, dass die Touristen bis zu zehnmal so viel zahlen sollen.

Nach den Plänen der Stadtverwaltung sollen Besucher bei frühzeitiger Reservierung künftig rund 30 Euro zahlen, kurzfristige Buchungen könnten bis zu 50 Euro kosten. Venturini will dazu in den kommenden Wochen Gespräche mit den zuständigen Ministerien in Rom führen, wie Medien am Freitag berichteten.

Aktuell müssen Bewohner der Region Venetien nichts zahlen, wenn sie Venedig besuchen wollen. Es wird auch diskutiert, ob diese Ausnahme abgeschafft werden soll.

Mehrere Millionen eingenommen
Die derzeitige Regelung wurde gesetzlich 2019 geschaffen und 2024 erstmals umgesetzt. Venedig verdiente mit der Zugangsgebühr 2024 rund zwei Millionen Euro, 2025 waren es schon etwa 5,5 Millionen Euro. Werden die Zugangsgebühren jetzt auf bis zu 50 Euro erhöht, könnte das deutlich mehr Geld in Venedigs Kasse spülen.

Die Maßnahme ist Teil von Venturinis Wahlprogramms, damit sollen die Besucherströme gesteuert werden. Außerdem könnten mit den Einnahmen die Kosten gedeckt werden, die durch den Tagestourismus entstehen. Unterstützung bekommt Venturini von Teilen der Wirtschaftsverbände, die sogar fordern, dass Touristen das ganze Jahr über eine Eintrittsgebühr zahlen müssen. Die Opposition lehnt die Pläne dagegen ab. Der Senator Andrea Martella von der Demokratischen Partei (PD) sprach sich für die Abschaffung der Gebühr aus und forderte stattdessen eine bessere Steuerung der Touristenströme.

50 Euro sind „barbarisch“
Scharfe Kritik kommt auch vom früheren Bürgermeister Massimo Cacciari. Eine Eintrittsgebühr für eine Stadt sei „barbarisch“, „unzivilisiert“ und aus seiner Sicht verfassungswidrig, sagte er. „Niemand soll für den Zugang zu einer Stadt wie zu einem Museum bezahlen müssen“, kritisierte Cacciari. Auch der Verfassungsrechtler Ludovico Mazzarolli äußerte Zweifel. Während ein Betrag von zehn Euro noch als Zugangsabgabe vertretbar sein könne, werfe eine Gebühr von 50 Euro verfassungsrechtliche Fragen auf. Eine so hohe Summe könne die in Artikel 16 der italienischen Verfassung garantierte Freizügigkeit einschränken.

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