Der Kunstsenat kürt den aus Graz stammenden Autor Clemens J. Setz zum Träger des Großen Österreichischen Staatspreises 2026. Er erweitert „als Dichter der literarischen Avantgarde wie kaum ein anderer den deutschen Sprachraum“, so die Begründung. Die Verleihung findet am 21. Oktober in Wien statt.
Der aus Graz stammende und in Wien lebende Schriftsteller Clemens J. Setz (43) erhält den mit 30.000 Euro dotierten Großen Österreichischen Staatspreis 2026 und damit die höchste künstlerische Auszeichnung der Republik. Der auf Empfehlung des Österreichischen Kunstsenats vergebene Preis wird am 21. Oktober in Wien verliehen. „Clemens J. Setz zählt zu den bedeutendsten Stimmen der österreichischen Gegenwartsliteratur“, würdigte ihn Kulturminister Andreas Babler (SPÖ).
Mit „seinen außergewöhnlichen literarischen Formen, dann und wann an James Joyce erinnernden poetischen und sprachschöpferischen Imaginationen“, erweitert Setz laut Kunstsenat seit eineinhalb Jahrzehnten „als Dichter der literarischen Avantgarde wie kaum ein anderer den deutschen Sprachraum.“
Menschliche Grenzbereiche
Setz beschäftige sich in seinen Romanen mit menschlichen Grenzbereichen und gesellschaftlichen Außenseitern. „Schon in seinen frühen Werken zeigte sich Setz‘ Gabe für prägnante Alltagsbeobachtungen und Sprachgewandtheit. Sein Werk ist durchzogen von einer tiefen Empathie für das Andere, deren Wahrnehmung sich nicht mit dem vermeintlich Normalen deckt“, so Babler am Donnerstag in einer Aussendung.
Büchner-Preis, Kleist-Preis, Buchpreis
Clemens J. Setz wurde am 15. November 1982 in Graz geboren. Er studierte zunächst Mathematik und Germanistik auf Lehramt, brach das Studium aber später zugunsten seiner literarischen Karriere ab. Sein erster Roman „Söhne und Planeten“ erschien 2007 im Residenz Verlag, 2008 erhielt er im Rahmen des Bachmann-Preises für seinen Text „Die Waage“ den mit 7.000 Euro dotierten Ernst-Willner-Preis. Für den 2009 erschienenen Roman „Die Frequenzen“ bekam der damals noch nicht einmal Dreißigjährige im Jahr darauf den Bremer Literaturpreis.
Mit „Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes“ wechselte Setz 2011 zum Suhrkamp Verlag und erhielt für den Roman den Hauptpreis der Leipziger Buchmesse, später den Kleist-Preis. Es folgten gefeierte Romane wie „Indigo“ (2012), „Die Stunde zwischen Frau und Gitarre“ (2015) oder „Bot: Gespräche ohne Autor“ (2018). 2021 wurde ihm der Georg-Büchner-Preis zugesprochen, die höchste literarische Auszeichnung, die im deutschen Sprachraum vergeben wird. Für seinen Roman „Monde vor der Landung“ erhielt er 2023 den Österreichischen Buchpreis und stand auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis. Zuletzt erschien im Herbst 2025 bei Jung und Jung mit „Das Buch zum Film“ ein Band mit frühen Auszeichnungen, der es an die Spitze der ORF-Bestenliste schaffte.
Aufnahme in den Kunstsenat
Der Große Österreichische Staatspreis wird jährlich in einer nicht näher festgelegten Rotation auf den Gebieten Architektur, Musik, Bildende Kunst oder Literatur vergeben. Mit dem Preis wird entweder ein hervorragendes Lebenswerk gewürdigt oder es werden „jüngere Künstlerinnen und Künstler nominiert, deren bisheriges Werk außergewöhnlich ist, durchgehend das Potenzial zu Spitzenleistungen erkennen lässt und internationale Beachtung erfährt“.
Setz wird neben seiner Auszeichnung mit dem Großen Österreichischen Staatspreis auch in den Kunstsenat aufgenommen. Das Gremium setzt sich aus bis zu 21 Trägerinnen und Trägern des Großen Österreichischen Staatspreises zusammen, die diese Tätigkeit ehrenamtlich und auf Lebenszeit ausüben. 2025 ging die Auszeichnung posthum an den kurz vor der Bekanntgabe verstorbenen Maler Herbert Brandl.
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