Einmal eine Allergie entwickelt zu haben, muss kein lebenslanges Schicksal sein. Das belegt eine wissenschaftliche Reihenuntersuchung von Wiener Experten. Vor allem bei über 60-Jährigen kann eine Sensibilisierung gegen bestimmte Allergene auch wieder verschwinden.
Die Wissenschaftler, vor allem vom Ludwig Boltzmann Institut für Lungengesundheit um Robab Breyer-Kohansal, analysierten über einen längeren Zeitraum hinweg Daten aus der Wiener LEAD-Studie, einer Langzeit-Epidemiologie-Untersuchung. „ Allergische Sensibilisierung gilt traditionell als stabiles Merkmal, obwohl Studien nahelegen, dass sie im Laufe des Lebens variieren kann“, schrieben die Wissenschaftler jetzt in der Fachzeitschrift „Clinical and Translational Allergy“ (doi: 10.1002/clt2.70181).
Ziel der Untersuchung sei es deshalb gewesen, über einen längeren Zeitraum hinweg die Häufigkeit von allergischer Sensibilisierung in einer Personengruppe aus der Allgemeinbevölkerung und eventuelle zeitliche Änderungen zu analysieren. Insgesamt standen die Informationen von 5046 Personen, die sich dreimal im mittleren Zeitabstand von jeweils etwas mehr als vier Jahren sogenannten Haut-Pricktests auf Allergien unterzogen hatten, zur Verfügung.
Kein lebenslanges Problem
Dabei zeigte sich, dass Allergien kein lebenslanges Problem sein müssen. „Von den 5046 Personen mit entsprechender Beobachtung und vorliegendem Haut-Pricktest (SPT) bei allen drei Visiten blieben 54,4 Prozent stabil nicht sensibilisiert, 30,6 Prozent hingegen stabil sensibilisiert, bei 5,6 Prozent kam es zu einem Verschwinden der Sensibilisierung, bei 4,8 Prozent trat die Sensibilisierung neu auf. 4,6 Prozent der Probanden hatten fluktuierende Ergebnisse“, schrieben die Wissenschaftler.
So trat neue Sensibilisierung innerhalb des Beobachtungszeitraums vor allem bei Probanden unter 18 Jahren auf. Hingegen verschwand diese Voraussetzung für allergische Symptome am ehesten in der Altersgruppe der über 60-Jährigen. Dazwischen kam es häufiger zu einer wechselnden immunologischen Situation. Eine stabile Sensibilisierung gegen ein Allergen stand am ehesten in Verbindung mit einer Vorbelastung schon bei den Eltern. Fluktuierende Befunde waren beispielsweise häufiger bei Adipositas (über 40-Jährige) und nach Umweltbelastungen.
Analysen auf spezifische Allergene aus der Luft zeigten, dass neu aufgetretene Sensibilisierungen vor allem durch Außenallergene (Ragweed, Baumpollen und Haustiere) bedingt waren, während fluktuierende Befunde vor allem bei saisonal auftretenden Pollen gefunden wurden.
Bisherige Ansicht in Frage gestellt
Obwohl die allergische Sensibilisierung überwiegend stabil ist, ist sie dynamisch und weist erhebliche zeitliche Schwankungen auf. Abklingen und Schwankungen treten in allen Altersgruppen auf, zu neuen Sensibilisierungen kann es bis ins Erwachsenenalter kommen.
„Diese Ergebnisse stellen die traditionelle Ansicht einer fixen Sensibilisierung in Frage und legen nahe, dass sie ein modifizierbares Erscheinungsbild widerspiegelt, das durch Alter sowie Umwelt- und Lebensstilfaktoren geprägt ist“, stellten die Wissenschaftler fest.
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