„Riesiges Potenzial“

Hohe Teilzeitquote von Frauen kostet Wohlstand

Wirtschaft
15.06.2026 11:24
Porträt von krone.at
Von krone.at

Die hohe Teilzeitquote von Frauen kostet Wohlstand, so ein deutscher Ökonom. Unser Nachbarland lasse sich dadurch großes wirtschaftliches Potenzial entgehen.

„Der Anteil an Frauen, die Teilzeit arbeiten, ist ungewöhnlich groß. Dadurch bleibt wirtschaftlich ein riesiges Potenzial ungenutzt“, sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) Marcel Fratzscher dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Die Gesellschaft verzichtet so auf eine Menge Wohlstand.“

Deutschland könnte für den Arbeitsmarkt mehrere Hunderttausend Vollzeitkräfte zusätzlich gewinnen, „wenn wir Hürden abbauen würden und mehr Frauen dazu bewegen könnten, ihre Arbeitsstunden aufzustocken“, sagte Fratzscher. Eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen wäre außerdem das effektivste und beste Instrument, um das gesetzliche Rentensystem in Deutschland über die nächsten 15 bis 20 Jahre zu stabilisieren.

Fast jede zweite erwerbstätige Frau in Teilzeit
In Deutschland arbeitet etwa die Hälfte der erwerbstätigen Frauen in Teilzeit. Kalkulationen einer EU-Behörde, wonach mehr Gleichstellung von Frauen das Bruttoinlandsprodukt europaweit bis 2050 um bis zu 10 Prozent erhöhen könnte, bezeichnete Fratzscher als realistische Größenordnung. „Wenn wir die Erwerbsbeteiligung von Frauen erhöhen, dann profitieren alle“, betonte er.

Hürden für Frauen auf dem Jobmarkt seien unter anderem unzureichende Kinderbetreuung in Kindergärten und Schulen, geringe finanzielle Anreize wegen Ehegattensplitting und kostenloser Mitversicherung von Ehepartnern bei der Krankenkasse. Außerdem seien Minijobs für viele Frauen eine Falle. Und das Gehaltsgefälle zwischen Männern und Frauen sei nach wie vor groß.

Lage in Österreich ähnlich
Österreich liegt im EU-Vergleich bei der Teilzeitquote übrigens auf Rang 2, wie Daten der Statistik Austria aus März zeigen. Rund die Hälfte (49,8 Prozent) aller erwerbstätigen Frauen arbeitete im Vorjahr in Teilzeit. Zum Vergleich: 2005 waren es noch 39,5 Prozent.

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