Droht offener Krieg?

Die wichtigsten Antworten zur Iran-Eskalation

Außenpolitik
11.06.2026 14:44
Porträt von krone.at
Von krone.at

Im Iran-Krieg ist es in den vergangenen Tagen erneut zu heftigen Angriffen gekommen. Erst beschossen sich am Wochenende der Iran und Israel gegenseitig, in der Nacht auf Mittwoch und Donnerstag attackierten sich der Iran und die USA. Warum eigentlich?

Für die Kämpfe zwischen den USA und dem Iran in den vergangenen Nächten hat US-Präsident Donald Trump mindestens zwei Gründe angegeben. Einerseits spricht Trump davon, der Iran habe einen US-Kampfhubschrauber abgeschossen. Dafür hätten die USA in der Nacht auf Mittwoch Vergeltung gesucht. Der Iran hat den Hubschrauber-Abschuss bisher nicht offiziell bestätigt, er reagierte zunächst mit Raketenbeschuss in der Region.

Am Mittwoch sagte Trump, er wolle den militärischen Druck auf Teheran aufrechterhalten, da die iranische Führung „zu lange mit den Verhandlungen brauche“. In der Nacht auf Donnerstag griff das US-Militär nach eigenen Angaben an verschiedenen Orten im Iran militärische Überwachungs- und Kommunikationsanlagen sowie Anlagen der Luftabwehr an. Aus dem Iran gab es zudem Berichte über Explosionen nahe der Hauptstadt Teheran.

Das iranische Militär reagierte nach eigenen Angaben mit einer kompletten Sperrung der Straße von Hormuz sowie mit Gegenattacken auf Ziele in den Golfstaaten Bahrain und Kuwait.

Was waren die Auslöser für weitere Angriffe?
Bereits in den vergangenen Wochen kam es immer wieder zu gegenseitigen Angriffen zwischen dem Iran und den USA. Der Iran betrachtet die US-Seeblockade für Schiffe, die iranische Häfen anlaufen oder verlassen, als Bruch der eigentlich verhandelten Waffenruhe.

Zudem verweist der Iran darauf, dass Frieden im Libanon auch Teil der Waffenruhe sei. Der Premierminister des Vermittlungsstaates Pakistan hatte das zu Beginn der Feuerpause ähnlich mitgeteilt. Israel lehnt eine Verbindung zwischen einer Waffenruhe im Iran und im Libanon jedoch strikt ab. Auch die libanesische Führung strebt ein Ende des iranischen Einflusses im eigenen Land an.

Am Wochenende war es an der Front zwischen Israel und der proiranischen Hisbollah-Miliz im Libanon eskaliert. Nach Beschuss der Hisbollah auf Israels Norden griff die israelische Luftwaffe Ziele in den Vororten der libanesischen Hauptstadt Beirut an. Teheran sah mit dem Angriff auf die Hochburg seines Verbündeten eine rote Linie überschritten und attackierte Israel von Sonntagabend an in mehreren Wellen mit mehr als 20 ballistischen Raketen. Israel antwortete seinerseits mit Luftangriffen auf iranisches Gebiet.

Kommt es wieder zum offenen Krieg?
Die Waffenruhe sei mittlerweile kaum mehr als das Wort allein, schreibt der Iran-Experte Hamidreza Azizi in einer Analyse auf X. Das neuerliche militärische Vorgehen der USA signalisiere, dass es Washington jetzt eher darum gehe, die Straße von Hormuz mit Gewalt zu öffnen. Andererseits würden die iranischen Angriffe in der Region kaum mehr für Abschreckung sorgen.

Nachdem auch Israel bei seinen Luftangriffen zu Beginn der Woche auf Luftabwehranlagen im Iran gezielt habe, könne dies auch für eine Vorbereitung für einen neueren größeren Krieg gesehen werden, schreibt Azizi weiter.

Auch in israelischen Verteidigungskreisen wächst nach Angaben des TV-Senders N12 die Erwartung, dass die Beziehungen zwischen den USA und dem Iran in den kommenden Tagen einen „Wendepunkt“ erreichen könnten. Israel habe seine Alarmbereitschaft entsprechend erhöht. Trump hat mit der Übernahme der für Irans Ölindustrie wichtigen Insel Kharg gedroht. Irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft werde man die Insel und andere Öl-Infrastrukturpunkte übernehmen und die „vollständige Kontrolle“ über Irans Öl- und Gasmärkte erlangen, schrieb der Republikaner am Donnerstag auf der Plattform Truth Social und kündigte zugleich schwere Angriffe auf den Iran für die Nacht an.

Die Karte zeigt Luftangriffe und Raketenangriffe im eskalierenden Krieg zwischen Israel und Iran im Nahen Osten. Israelische Luftangriffe treffen Ziele in Iran und im Libanon. Raketenangriffe durch Iran und Verbündete richten sich auf Israel, darunter eine Rakete der Houthi-Miliz aus Jemen. Quelle: BBC.

Für den Iran könnte die Situation ein strategisches Umdenken bedeuten, schreibt Azizi. So könnte Teheran zu schlechter kalkulierbaren Mitteln greifen, zum Beispiel Energieinfrastruktur in der Region angreifen und somit Versuche der US-Regierung zur Beschwichtigung der Energiemärkte zunichtemachen, oder US-Kriegsschiffe direkt angreifen.

Wie ist der aktuelle Stand der Verhandlungen?
Immer wieder heißt es in Medienberichten, Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran stünden kurz vor einem Abschluss. Zuletzt war ein Rahmenabkommen im Gespräch, nach dem die Straße von Hormuz für den Schiffsverkehr freigegeben werde. Der Iran fordert unter anderem die Freigabe von eingefrorenen Vermögenswerten. Über den genauen Stand gibt es jedoch keine eindeutigen Berichte.

Zentrales Streitthema ist das Atomprogramm Teherans. Die iranische Führung hat mit dem Krieg seit Ende Februar jedoch – mit der Kontrolle über die Straße von Hormuz und Israels Krieg im Libanon – weitere Druckmittel in die seit langem währenden Verhandlungen aufgenommen. An diesem Freitag jährt sich der 12-tägige Krieg Israels mit dem Iran vom Vorjahr. Damals hatten US-Spezialflugzeuge auch Atomanlagen im Iran bombardiert.

Wie ist die aktuelle Lage in der Straße von Hormuz?
Als Reaktion auf die jüngsten US-Angriffe im Iran hat das iranische Militär eine komplette Sperrung der Straße von Hormuz bekannt gegeben. Die US-Militärführung widersprach der Darstellung umgehend.

Das US-Militär habe zuletzt Öltanker und andere Handelsschiffe in einer „geheimen Mission“ dabei unterstützt, die Straße von Hormuz zu durchqueren, schrieb Trump auf Truth Social, ohne genauere Angaben zu machen.

Der Datenanbieter Windward schrieb am Mittwoch unter Berufung auf eine Analyse der Firma Vortexa, fünf iranische Flüssiggastanker hätten die US-Blockade durchbrochen und in Indien und Pakistan ihre Ladung gelöscht. In einer Analyse des Datenanbieters Kpler hieß es, am vergangenen Wochenende hätten lediglich acht Schiffe die Meerenge passiert. Dies sei deutlich weniger als eine Woche zuvor.

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