Für Gastgebernation

Ex-Bulle als Hoffnungsträger für WM-Land

Porträt von Salzburg-Krone
Von Salzburg-Krone

Mit Ex-Salzburg-Trainer Jesse Marsch will Kanada als einer der drei Gastgebernationen der Fußball-WM 2026 für eine Überraschung sorgen. Drei starke MLS-Teams auf Kanada legten für Marsch zusammen, um ihn finanzieren zu können. Indes muss der US-Amerikaner um Alphonso Davies bangen.

Bei der WM-Rückkehr nach 36-jähriger Absenz war Kanadas Fußballern 2022 in Katar kein Glück vergönnt. Bisher noch ohne Punkt wollen es die Ahornblätter als Co-Gastgeber im dritten Anlauf nun besser machen. Der Stratege dahinter ist in Österreich bestens bekannt. Jesse Marsch wurde 2024 geholt, um das Potenzial voll auszuschöpfen. Der Ex-Salzburg-Coach zeigt sich „ziemlich aufgeregt angesichts der Möglichkeit, was wir in diesem Sommer schaffen können“.

Als Kanada 1986 erstmals auf die WM-Bühne trat, war Nordamerikas Fußballwelt noch klein. Die North American Soccer League (NASL), in der Pele und Franz Beckenbauer gespielt hatten, Geschichte, die heutige Major League Soccer (MLS) noch nicht gegründet. Die Hälfte des Kaders war im US-Hallenkick engagiert, der Rest vereinslos oder unterklassig in Europa unterwegs. Die Aussichten waren dementsprechend düster, die Leistung aber alle Ehren wert. Tor gelang der Truppe zwar keines, gegen Frankreich (0:1), die Sowjetunion und Ungarn (jeweils 0:2) hielt man den Schaden aber in Grenzen.

36 Jahre später reiste Kanada mit teils gestandenen Profis nach Katar, allen voran Bayern Münchens „Schienenspieler“ Alphonso Davies. Die Hoffnungen auf Zählbares waren ungleich höher – und wurden doch enttäuscht. Der erste kanadische Treffer der WM-Historie, selbstredend durch Davies, blieb der einzige Meilenstein. 0:1 gegen Belgien, 1:4 gegen Kroatien und 1:2 gegen Marokko lauteten die nackten Resultate, spielerisch zeigte man sich aber durchaus konkurrenzfähig und nährte die Hoffnungen auf eine Weiterentwicklung.

Marsch nur dank „Crowdfunding“ möglich
Träger dieses Optimismus‘ ist neben Davies und Juventus-Stürmer Jonathan David vor allem Marsch. Im Juni 2024 angelte sich der kanadische Verband den US-Amerikaner, der davor u.a. bei Leeds United, RB Leipzig und in Salzburg (zwei Double-Siege) gewerkt hatte. Seine Verpflichtung war aber nur aufgrund des monetären Engagements dreier kanadischer MLS-Clubs möglich. Die Vancouver Whitecaps, CF Montreal und Toronto FC griffen dem finanziell klammen Verband unter die Arme – nicht ganz ohne Eigeninteresse, aber durchaus auch den gesamten kanadischen Fußball ins Auge fassend. Der profitiert einerseits von der MLS-Mitgliedschaft, versucht aber auch seine 2017 gegründete Premier League zu stärken.

Marschs Fürsprecher durften sich jedenfalls gleich bestätigt sehen. Bei der Copa America 2024 scheiterte man erst im Halbfinale an Argentinien, ein Jahr später war die Auswahl in der Weltrangliste erstmals auf den historischen Höchststand von Rang 26 geklettert. Der 52-jährige Coach hat die Mannschaft gefestigt und der athletisch starken Elf ein strukturiertes Pressing verpasst. Seine eigenen Erwartungen seien übertroffen worden, erklärte Marsch nach einem Jahr im Amt.

Alphonso Davies.
Alphonso Davies.(Bild: AP/Christopher Katsarov)

Bangen um den angeschlagenen Star
Beim kommenden Großturnier spekuliert man vor heimischem Publikum in Vancouver und Toronto folglich nicht nur mit den ersten WM-Punkten, sondern auch dem Einzug in die K.o.-Runde. Gruppe B mit Bosnien und Herzegowina, der Schweiz und Katar lässt das auch zu. Sorgen macht aber ausgerechnet der Kapitän. Davies, in den vergangenen Monaten ohnehin verletzungsgeplagt, zog sich Anfang Mai eine Oberschenkelblessur zu und verpasste das Bundesliga-Finale. Für das Auftaktspiel gegen Bosnien-Herzegowina am Freitag (21.00 Uhr/live ORF 1) wird es sich nicht ausgehen, danach besteht Hoffnung. „Wir wissen, wie wichtig er für uns ist und dass wir ihn brauchen“, betonte Marsch.

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