Retter über Zugdrama:

„Die Kleine hatte gleich mehrere Schutzengel!“

Niederösterreich
09.06.2026 07:50

Die Bundesheer-Offiziere Christoph Dumfart und Kerstin Gottl waren Ersthelfer beim Zugdrama in Allentsteig (NÖ). Sie schildern der „Krone“ hochdramatische Szenen und wie sie das junge Unfallopfer in Sicherheit brachten: Zu dritt mussten die Retter mit vereinten Kräften die Autotür aufreißen.

Die Lok stieß ihr lautes Signalhorn aus. Gleich noch einmal. Dann ein Dauerton – bis ihn ein ohrenbetäubender, quietschender Knall und ein Scharren am Schotterbett verstummen ließ. So beschreiben die Bundesheer-Offiziere Christoph Dumfart (48) und Kerstin Gottl (40) die schrecklichen Sekunden des Zugdramas in Allentsteig, das am Samstag knapp vor 16 Uhr ein Elternpaar das Leben kostete und eine Zweijährige zur Vollwaise machte.

„Es musste etwas Schreckliches passiert sein“
Nur etwa 500 Meter Luftlinie trennte das Paar vom Unfallgeschehen. „Uns war sofort klar, dass da etwas Schreckliches passiert sein muss“, erzählt der Allentsteiger Kraftfahr- und Technikoffizier. Sofort setzen sich die beiden ins Auto und fuhren los. Dumfart und Gottl verfügen über mehrere Rettungsausbildungen und sind als psychosoziale Erstbetreuer bei der Rettungshundebrigade tätig. Gottl, die in Fürstenfeld in der Steiermark lebt, ist zudem noch Hundeführerin.

Sie brachten das zweijährige Kind aus der Gefahrenzone des gecrashten Zugs: Christoph Dumfart ...
Sie brachten das zweijährige Kind aus der Gefahrenzone des gecrashten Zugs: Christoph Dumfart und Kerstin Gottl.(Bild: Krone KREATIV/FF Allensteig, zVg.)

Schreie von Zweijähriger
Schreckliche Bilder eröffneten sich den Ersthelfern dann vor Ort, sofort verständigten sie den Notruf. Der Pkw und der Zug waren stark ineinander verkeilt. „Als wir hingelaufen sind, kam uns der Lokführer entgegen. Er stand unter Schock und sagte, dass die Bahnstrecke bereits gesperrt sei.“ Gleich darauf nahm man Schreie aus dem schwer deformierten Wagen wahr: Hinter der Mutter am Fahrersitz weinte die Tochter im Kindersitz.

Kleinkind weitgehend unversehrt
Mit gemeinsamen Kräften rissen das Paar und der Lokführer dann die rechte Hintertür auf. Gottl nahm das Kind an sich. „Man spürte, wie es Nähe und Geborgenheit suchte. Es klammerte sich sofort an Kerstin, die mit ihr sofort aus der Gefahrenzone ging“, schildert Dumfart. Obwohl der Puffer der Lok das Auto ganz in der Nähe erfasst haben musste, war die Zweijährige bis auf eine blutende Kopfwunde weitgehend unversehrt.

„Die Kleine hatte da gleich mehrere Schutzengel. Und einer davon hat sich schützend vor sie geworfen, sodass die Rückbank nach rechts hinten weggedrückt wurde“, erklärt sich der Berufssoldat das Unfallbild. Für die Eltern kam jede Hilfe zu spät. Als psychologische Stütze für den Lokführer blieb er vor Ort. Weiters half er, die Einsatzkräfte in dem schwierigen Terrain einzuweisen.

Große Hilfsangebote von mehreren Seiten
Ist das Paar nicht auch selbst vom Horror-Unfall traumatisiert? „Wir haben an dem Tag noch lange darüber gesprochen und reden immer wieder darüber. Unsere Arbeitgeber und die Rettungskräfte haben uns auch tolle Hilfsangebote gemacht. Bisher haben wir die aber dankend abgelehnt“, sagt Dumfart.

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