Heime im Hitzestress

Pflege schlägt Alarm: „Bewohner leiden enorm“

Steiermark
25.07.2026 18:00

Die nächste Hitzewelle kündigt sich an. In den steirischen Pflegeheimen blickt man der Entwicklung mit Sorge entgegen: Mitarbeiter warnen, dass Bewohner und Personal an ihre Grenzen kommen – und kritisieren, dass Pflegeheime bei Hitzeschutzplänen bislang kaum eine Rolle spielen.

Als Wolfgang Schwab am 30. Juni kurz nach 8 Uhr seinen Arbeitstag begann, zeigte das Thermometer bereits 30,2 Grad. „Da kann man sich vorstellen, wie heiß es am Nachmittag geworden ist“, sagt der Betriebsratsvorsitzende. Dabei müsse er „nur“ im Büro sitzen, Bewohner und Pflegekräfte würde die Hitze noch viel härter treffen.

Die jüngste Hitzewelle hat gezeigt, wie rasch hohe Temperaturen zum Gesundheitsrisiko werden können. Vor allem ältere und pflegebedürftige Menschen würden oft zu wenig trinken und besonders empfindlich auf die Belastung reagieren.

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Für nahezu jeden Handgriff gibt es Vorschriften. Aber wenn Menschen bei 30 Grad und mehr arbeiten müssen, scheint das niemanden zu interessieren.

Betriebsratsvorsitzender Wolfgang Schwab

Übersterblichkeit bei hohen Temperaturen
„Dass es in solchen Phasen zu einer erhöhten Sterblichkeit kommt, ist bekannt. Gleichzeitig steigt der Betreuungsaufwand massiv“, sagt Schwab. Das Pflegepersonal müsse ständig ans Trinken erinnern, Beine hochlagern, kühlen und Menschen mit Demenz deutlich intensiver betreuen.

„Alle Rekorde gesprengt“
Im „Haus am Ruckerlberg“, dem mit 114 Bewohnern größten Pflegeheim der Diakonie Österreichs, versuchte die Belegschaft mit nächtlichem Durchlüften, zusätzlichen Ventilatoren und intensiver Betreuung gegenzusteuern. „Die Bewohner leiden wirklich enorm. Viele haben Bluthochdruck oder andere Vorerkrankungen, deren Beschwerden sich durch die Hitze verschlimmern“, berichtet Leiterin Elke Hofgartner.

Bewohner und Personal leiden. Bei Hitze steigt der Betreuungsaufwand.
Bewohner und Personal leiden. Bei Hitze steigt der Betreuungsaufwand.(Bild: Christof Birbaumer)

Manche Bewohner würden gerne spazieren gehen. „Wir müssen ihnen dann erklären, dass das aus Sicherheitsgründen nur in den kühlen Morgenstunden möglich ist. Den Rest des Tages müssen wir sie im Haus beschäftigen.“ Die jüngste Hitzewelle habe jedenfalls „alle bisherigen Rekorde gesprengt“.

Was Schwab besonders ärgert: „Für nahezu jeden Handgriff gibt es Vorschriften – von der Hygiene bis zum Verbandswechsel. Aber wenn Menschen bei 30 Grad und mehr arbeiten müssen, scheint das niemanden zu interessieren.“

Große Sorge bereite ihm zudem, dass derzeit vor allem Hitzeschutzpläne für Krankenhäuser diskutiert würden. „Pflegeheime werden dabei kaum mitgedacht, obwohl gerade hier die besonders gefährdeten Menschen leben. Wir werden mit unseren Forderungen einfach nicht ernst genommen.“

KPÖ macht Druck
Politisch fordert vor allem die KPÖ zusätzliche Unterstützung für Pflegeheime. Der erhöhte Pflege- und Betreuungsaufwand während Hitzewellen müsse sich auch in der Personalausstattung widerspiegeln.

Aus dem Büro des zuständigen Gesundheits- und Pflegelandesrates Karlheinz Kornhäusl (ÖVP) wird betont, dass dem Hitzeschutz in Pflegeheimen bereits heute große Bedeutung zukomme. So werde etwa im Zuge von Bewilligungsverfahren genau darauf geachtet. Bei Neubauten sei für Bewohnerzimmer bereits ein außenliegender Sonnenschutz vorgeschrieben. Zudem könne die Behörde auf Grundlage des neuen Pflege- und Betreuungsgesetzes Hitzeschutzmaßnahmen auch bescheidmäßig vorschreiben.

Politisch zuständig: ÖVP-Landesrat Karlheinz Kornhäusl.
Politisch zuständig: ÖVP-Landesrat Karlheinz Kornhäusl.(Bild: Christian Jauschowetz)

Regelmäßige Kontrollen
Einen hohen Stellenwert habe das Thema auch bei den behördlichen Pflegeheimkontrollen. „Werden Mängel festgestellt, kann die Behörde entsprechende Vorgaben machen. Die öffentliche Hand investiert jedes Jahr viel Geld in eine Pflege, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Deshalb bitte ich alle, die von möglichen Missständen erfahren – etwa beim Hitzeschutz -, dies sofort der Heimaufsicht zu melden. Jede Meldung hilft, rasch zu handeln und Leid zu verhindern“, so Kornhäusl.

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