Standing Ovations

Papst hält historische Rede vor Spaniens Parlament

Außenpolitik
08.06.2026 13:24
Porträt von krone.at
Von krone.at

Leo XIV. hat im Rahmen seiner Spanien-Reise am Montagvormittag eine historische Rede gehalten und sprach als erster Papst der Geschichte vor den Kammern des spanischen Parlaments. Der Pontifex thematisierte das Lebensrecht der Ungeborenen, die Migration und zeigte sich besorgt über die militärische Aufrüstung Europas.

Es sei „besorgniserregend, dass sich an verschiedenen Orten der Welt, auch in Europa, die Aufrüstung erneut als fast unvermeidliche Antwort auf die Instabilität der internationalen Lage darstellt“, sagte der Papst am dritten Tag seines Besuchs in Spanien.

Die Aufrüstung in Europa sei eine Reaktion auf die schwierige internationale Lage. Echte Sicherheit könne aber nur durch Gerechtigkeit, „geduldigen Dialog“ und eine Achtung des Völkerrechts entstehen, sagte der Papst. Mit Blick auf die militärische Nutzung künstlicher Intelligenz betonte er, Entscheidungen über Leben und Tod dürften niemals automatisierten Systemen überlassen werden.

Treffen mit Ministerpräsident Sanchez
Vor der Rede im Parlament traf Leo XIV. mit Ministerpräsident Pedro Sanchez zusammen. Papst Leo XIV. und Sanchez sind bei mehreren politischen Ansichten auf einer Linie: Beide kritisieren den Iran-Krieg und sind deswegen wiederholt von US-Präsident Donald Trump attackiert worden. „Jeder Krieg stellt letztlich eine schmerzhafte Niederlage der Fähigkeit zu verhandeln und des gemeinsamen Gewissens der Menschheit dar, das Verbindungen der Gerechtigkeit zwischen den Nationen anerkennt“, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche in Madrid.

Migrationsproblem für ein Land nicht allein zu bewältigen
Auch in der Migrationsfrage vertreten sowohl der Pontifex als auch der spanische Premier ähnliche Ansichten. Sanchez fährt etwa in der Migrationspolitik einen liberalen Kurs, was mit dem Einsatz des Papstes für Flüchtlinge in Einklang steht – und im Gegensatz zu Trumps Migrations- und Flüchtlingspolitik steht. Zu dem in Spanien sehr präsenten Thema Migration erklärte Leo XIV., kein Land könne diese Herausforderung allein bewältigen. Daher sei eine „koordinierte, solidarische und wirksame Reaktion unerlässlich, die den Migranten Schutz, Aufnahme und echte Integrationschancen gewährleisten kann“.

Meinungsverschiedenheiten bei Abtreibung und Homosexuellen
Zwischen der katholischen Kirche und der spanischen Linksregierung gibt es aber auch deutliche Meinungsverschiedenheiten, etwa bei Fragen wie Abtreibungen, Rechte von Homosexuellen und Feminismus. Sánchez traf den Papst zudem inmitten einer schweren politischen Krise in Spanien. Wenige Tage vor dem apostolischen Besuch kam es in der Zentrale der spanischen Regierungspartei PSOE zu großangelegten Durchsuchungen im Zuge von Korruptionsermittlungen.

Minutenlanger Applaus von den Abgeordneten
Nach der Rede erhielt der Papst minutenlangen Applaus, begleitet von „Bravo“- und „Viva“-Rufen. Die Standing Ovations hätten laut Medien sieben Minuten gedauert. Kommentatoren des öffentlich-rechtlichen spanischen Senders RTVE und weiterer Medien bezeichneten den Auftritt als „historisch.“ Zudem habe Leo gezeigt, dass er den Kurs seines Vorgängers Franziskus fortsetzen wolle und klare Worte zu den drängendsten Problemen der Gegenwart finde, hieß es.

Für Montagnachmittag wird zudem erwartet, dass Leo XIV. Menschen trifft, die Opfer sexualisierter Gewalt durch katholische Geistliche wurden. Erst am Freitagabend bestätigte der Vatikan eine solche Begegnung. Am Abend leitet der Papst dann ein Gebet in der Almudena-Kathedrale. Anschließend ist eine Begegnung mit der örtlichen Diözesangemeinschaft im Bernabéu-Stadion von Fußballklub Real Madrid vorgesehen.

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