Eigenmächtiger Angriff

Trump: „Ich habe das Sagen“, dann schlug Israel zu

Außenpolitik
08.06.2026 12:37

Nach den iranischen Raketenangriffen auf Israel forderte US-Präsident Donald Trump die Regierung unter Premier Benjamin Netanyahu auf, keine Gegenschläge zu unternehmen. Was Netanyahu davon hält, wurde wenige Stunden später klar: Israels Luftwaffe flog Angriffe auf Ziele im Iran. Ein Schlag in Trumps Gesicht.

Denn nach Aussage des US-Präsidenten stehe man kurz vor Abschluss eines Abkommens mit Teheran. „Es wird ein guter Deal werden. Ich möchte nicht, dass er wegen der aktuellen Ereignisse platzt“, so Trump gegenüber einem „Axios“-Reporter.

„Beide Seiten hatten ihren Spaß“
Demnach kündigte der US-Präsident ein Telefonat mit „Bibi“ Netanyahu an, um ihn von einem Vergeltungsschlag abzuhalten. „Beide Seiten hatten ihren Spaß. Israel hat seinen Angriff durchgeführt und der Iran seinen. Wir brauchen keinen weiteren“, wurde Trump zitiert (siehe X-Post unten).

Trotz der Warnung des US-Präsidenten vor Gegenschlägen flog Israels Luftwaffe Angriffe auf ...
Trotz der Warnung des US-Präsidenten vor Gegenschlägen flog Israels Luftwaffe Angriffe auf iranische Ziele.(Bild: AP/Alex Brandon)

„Netanyahu hat nicht das Sagen“
Gegenüber der „Financial Times“ erklärte der US-Präsident, dass Netanyahu keine Wahl habe, als jedes Abkommen, das die Vereinigten Staaten mit dem Regime in Teheran aushandeln, zu akzeptieren. „Ich habe das Sagen. Ich habe immer das Sagen. Netanyahu hat nicht das Sagen“, so der US-Präsident kurz nachdem die iranische Raketensalve auf Israel niedergegangen war.

Wenig später folgte der Gegenschlag. Laut Militärangaben wurden mehrere Ziele einer Ölanlage in der iranischen Hafenstadt Mahshahr im Südwesten des Landes ins Visier genommen. Nach iranischen Angaben wurden Teile der Anlage bei dem Luftangriff beschädigt.

Eine iranische Rakete schlug im Westjordanland nahe der Stadt Jericho ein.
Eine iranische Rakete schlug im Westjordanland nahe der Stadt Jericho ein.(Bild: AP/Mahmoud Illean)

„Gefährlicher Präzedenzfall“
Mit seiner Aufforderung an Israel, einen Vergeltungsschlag zu unterlassen, hat Trump einen „gefährlichen Präzedenzfall“ geschaffen, meint Nadav Pollak, Nahost-Experte und früherer israelischer Geheimdienstoffizier auf X. So signalisiere man dem Iran, „dass begrenzte Angriffe auf Israel ohne Konsequenzen blieben können“.

Auch die iranischen Stellvertreter in der Region – etwa die Hisbollah oder die Houthi-Miliz – könnten sich dadurch ermutigt fühlen, Israel anzugreifen, „da sie wissen, dass der Iran bereit ist, sich einzumischen“, schreibt Pollak (siehe X-Post unten). Aus dem Jemen wurde am Montag bereits eine Rakete Richtung Israel abgefeuert, zusätzlich zu weiteren iranischen Raketen.

Mit seinen eigenmächtigen Luftschlägen hat die israelische Regierung ein deutliches Signal gesetzt, dass sie solche Zurufe nicht duldet - aber auch ihre mächtigsten Verbündeten brüskiert. Nach den diplomatischen Verwerfungen vergangene Woche wird das Verhältnis zwischen den USA und Israel damit weiter angespannt.

„Kalkulierter Schachzug“
Und was bezweckt der Iran mit seinen Raketenangriffen? Iran-Expertin Holly Dagres sieht in den iranischen Raketenangriffen einen „kalkulierten Schachzug, um die USA zu Zugeständnissen zu bewegen“, um das Rahmenabkommen abzuschließen. „Teheran weiß, dass Trump eine Wiederaufnahme des Krieges vermeiden will, doch dies war ein echtes Risiko mit großem Spielraum für Fehleinschätzungen“, schrieb Dagres auf X.

Trump: Angriffe sofort stoppen
Einsilbig, ohne sich wie sonst oft zu wiederholen oder in Tiraden zu ergehen, reagierte Trump jetzt auf die neuen massiven Angriffe: „Israel und der Iran müssen unverzüglich aufhören zu ‘schießen‘“, schrieb er am Montag auf seiner Plattform Truth Social.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung