Castellucci-Premiere

Wiener Festwochen: Das Nichts hinter Masken

Kultur
07.06.2026 08:54

Der Regisseur Romeo Castellucci hat den Wiener Festwochen schon Großartiges geschenkt. Die Halbstunden-Performance „Credere alle Maschere“ im Museumsquartier ressortiert  – eher zum Pflanz.

Um als namhafter Kulturschaffender zu den Wiener Festwochen zugelassen zu werden, muss man mindestens eine von zwei Voraussetzungen erfüllen. Entweder man ist tot: Peter Brook und Robert Wilson räumten posthum zu Recht triumphal ab; und auch Hermann Nitsch konnte in der Fortschreibung durch Florentina Holzinger nachdrücklich aus der Grube aufzeigen. Oder man erholt sich zwischendurch von einem bedeutenden Lebenswerk mit einer halboriginellen Petitesse. So wie der große Regisseur Romeo Castellucci, dem die Festwochen und die Salzburger Festspiele Maßstabsetzendes verdanken.

Deshalb saß Ihr Kritiker, wie die anderen 49 Besucher hinter einer Unisex-Maske verborgen, in einer von insgesamt 22 identischen 30-Minuten-Einheiten, die unter dem Titel „Credere alle Maschere“ vier Tage lang laufen. „An Masken glauben“ ist „eine installative Performance“, die uns lehrt, dass alles alles sein kann. Eine antike Vase wird hereingebracht und heißt „Pfeife“, ein Glas Milch nennt sich „Hammer“, ein ausgestopfter Fuchs „Pferd“, Siegfrieds „Ring“-Hornruf „Staub“, Stan Laurel „Wasser“ (weil er weint?). Hat man das Prinzip nach 15 Minuten begriffen, wird ein elektrischer Stuhl aufgebaut, der „Stuhl“ heißt uns auf dem Besucher Platz nehmen dürfen, um verlegen zuckend ihren eigenen Exitus zu simulieren. Man kann das als Manifest oder als trübes Aufmerksamkeitsheischen sehen. Sicher ist: Alles kann alles sein. Vielleicht ist aber auch das Ganze nichts.

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