Am 22. Juli unterhalten die Kabarettisten Thomas Stipsits und Viktor Gernot in Mörbisch. Der „Krone“ verrieten sie vorab, wie sie Friedensverhandlungen mit Dartscheibe, Dialekt und Bio-Unbedenklichkeitszertifikat führen. Und wie sie sogar Sex-Szenen und andere Herausforderungen locker hinbekommen.
Wenn man derzeit den öffentlichen Diskurs verfolgt, könnte man glauben, die Menschheit bestehe nur noch aus zwei Lagern: Die einen erklären, dass früher alles besser war, die anderen, dass vor ihrer Generation überhaupt niemand wusste, wie die Welt funktioniert. Dazwischen stehen zwei Männer, die Abend für Abend beweisen, dass man aus einem Konflikt auch etwas Sinnvolleres machen kann: Kabarett.
Mit ihrem Programm „Lotterbuben“ betreiben Thomas Stipsits (42) und Viktor Gernot (61) nämlich etwas, das in Zeiten von Social Media fast revolutionär wirkt: Sie lachen übereinander, miteinander – und vor allem über sich selbst. „Wir sind beide deppert, nur halt aus verschiedenen Jahrzehnten“, bringt es Stipsits auf den Punkt.
Die letzte „normale“ Generation
Die Idee dahinter war weniger ein gesellschaftliches Friedensprojekt als eine pragmatische Erkenntnis: Zwischen Gernot und Stipsits liegen genug Jahre, um daraus einen ganzen Abend zu basteln. Während Gernot seine Generation als „analog, ehrgeizig und fleißig“ beschreibt, kramt Stipsits in der Mottenkiste seiner Jugend: „Festnetztelefon, Videothek und Bravo.“ Kaum ausgesprochen, folgt die bittere Selbsterkenntnis: „Wenn man anfängt solche Wörter zu sagen, klingt man automatisch sehr alt.“ Auch bei seinem Bühnenpartner wird er fündig wird: „Bei Gernot lauten die Begriffe Telefonzelle, Tanzschule und Peter Alexander.“
Der Generationenunterschied wird dabei nicht als Problem, sondern als Rohstoff betrachtet. Denn wie Stipsits treffend bemerkt: „Jede Generation glaubt, sie war die letzte normale. Und alle nach ihr sind ein bisserl deppert. Das war wahrscheinlich schon bei den alten Griechen so.“
Wir können auch einmal einen Schmäh auf Kosten des anderen machen, aber darunter liegt immer Respekt. Ohne den wäre das Programm nach zehn Minuten vorbei.
Thomas Stipsits über die Grundlage für spontane Neckereien
Humor ist, wenn der andere den Faden verliert
Die Chemie zwischen den beiden wirkt so eingespielt, als hätten sie bereits die Bundesverfassung gemeinsam geschrieben. Das Geheimnis? „Timing bedeutet nicht, dass man weiß, wann man seinen Satz sagt. Man muss wissen, wann man nichts sagt.“ Eine Erkenntnis, die auch in vielen Ehen hilfreich wäre. Trotzdem läuft auf der Bühne nicht immer alles nach Plan. Textaussetzer gehören zum Geschäft. „Manchmal merkt es das Publikum nicht“, erzählt Stipsits. Und manchmal? „Manchmal ist es der beste Gag des Abends und wir setzen uns so richtig drauf.“
Schreibcamp statt Altersheim
Wer glaubt, Kabarett entstehe spontan bei Bier und Brettljause, irrt. Laut Viktor Gernot sind „über 90 Prozent Abmachung und Präzision“. Wochenlang wurde zusammen getüftelt, gefeilt und verworfen. Sogar ein mehrwöchiges Schreibcamp haben die beiden gemeinsam absolviert. Dabei traten die Generationsunterschiede so richtig zutage.
Gernot registrierte etwa bewundernd, dass Thomas „besser mit der Tastatur umgeht und schneller bei der Recherche ist“. Stipsits wiederum lernte die andere Seite kennen: „Gernots Pingeligkeit in Sachen musikalische Genauigkeit.“ Heißt wohl übersetzt: Während der eine schon drei neue Pointen erfunden hat, diskutiert der andere noch über einen halben Ton.
Die gefährlichsten Momente des Abends
Dennoch hat ihr Programm auch Stellen, bei denen die Künstler selbst aufpassen müssen, das sie nicht zu lachen beginnen. Bei Stipsits genügt dafür schon ein einziges Wort: „Bio-Unbedenklichkeitszertifikat.“ Warum genau, bleibt offen. Ist wahrscheinlich besser so. Gernot hingegen nennt zwei besonders riskante Minenfelder: „Das Eltern-Lehrer-Kinder-Schulgespräch“ und „unsere Tirol-Nummer“. Und dann gibt es natürlich noch jene Running Gags, die offiziell geheim bleiben sollen. „Aber spätestens, wenn wir lachen, kriegt es das Publikum auch mit“, kichert Stipsits. Gernot mahnt trocken: „Das bleibt ein Geheimnis!“
Herrlich ist auch die gemeinsam Sexszene der beiden. Die Initiative dafür ging laut Gernot übrigens von Stipsits aus: „Ich habe bereitwillig und schambefreit mitgemacht.“
Die Sache mit dem Schulschikurs
Das wahre Wesen der Lotterbuben zeigt sich jedoch hinter den Kulissen. Während andere Künstler meditieren oder ihre Texte durchgehen, durchlöchert Stipsits mit seinem Bruder Christian, der für die Tontechnik zuständig ist, Dartscheiben: „Früher bin ich vor einer Vorstellung nervös auf und abgegangen. Jetzt werfe ich Pfeile.“
Gernot dagegen kämpft im Vorbereitungsraum gegen die „schrecklichen Neonröhren“. Er bevorzugt nämlich „gedämpftes Licht“. Und dann gibt es jene Momente, wo Fans definitiv auch gern dabei wären: „Backstage sind wir manchmal wie auf Schikurs: erwachsene Männer mit Beruf, aber geistig kurz wieder 14.“ – Die wohl treffendste Beschreibung einer Tournee seit Erfindung des Tourbusses.
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