4 Tonnen für 25 Kicker

Ein Rekord-Transport mit Dressen bis zum Endspiel

Vier Tonnen Gepäck für 25 Kicker – der ÖFB hob am Donnerstag ab: USA! FIFA und Zoll stellten das Zeugwart-Duo vor große Herausforderungen.

„Wir wünschen Glück. Fußball ist ein Spiel, da gibt es mal Glück, mal Unglück. Wir drücken Ihnen alle die Daumen – und es wird schon passen“, verabschiedete Bundespräsident Alexander Van der Bellen gestern Österreichs Team in Wien-Schwechat. Er versuchte auch, Pechvogel Christoph Baumgartner zu trösten: „Lieber Baumi, ganz Österreich möchte Sie trösten. Nehmen Sie es nicht so schwer – Sie sind so jung. Es werden sich weitere Chancen ergeben.“

Kurz nach 10 Uhr hob der AUA-Flug OS51 ab. Direkt nach Los Angeles. Da atmeten auch Walter Lachnit und Jovo Marjanovic erstmals so richtig durch. Seit über einem Jahrzehnt ist das Duo für das Equipment von David Alaba und Co. zuständig, aber die erste WM-Endrunde stellt auch alle EUROs weit in den Schatten. Auch wegen der USA.

Das Gscher mit dem Zoll
„Wir mussten alles notieren, Inhalt, Gewicht, Größe, Warenwert“, schnaufte Marjanovic. „Die Auflagen, das Gepäck und die Speisen durch den Zoll zu kriegen, war herausfordernd“, nickt Lachnit. „Alles, wo Rindfleisch drinnen war, auch in Pulverform, durfte nicht mit. Wir mussten alles wieder auspacken, das war zermürbend.“ Auch ÖFB-Koch Fritz Grampelhuber musste umdisponieren.

Die „Krone“ traf die Equipment-Manager Marjanovic (M.) & Lachnit.
Die „Krone“ traf die Equipment-Manager Marjanovic (M.) & Lachnit.(Bild: ÖFB/Kelemen)

Insgesamt reist die Rangnick-Truppe mit über vier Tonnen an „Gepäck“, das Doppelte von der letzten EURO, nach Kalifornien. „Das ist unser bislang größter Transport, schon eine Hausnummer“, sagt Lachnit. Der Großteil wurde bereits am 22. Mai per Luftfracht verschickt: mit rund 60 Bällen, bis zu 300 Paar Schuhen und Schlapfen, 500 Shirts, Socken, Handtüchern und Dummys, Stangen, Schuh-Heizern, „Recovery Boots“ – bis hin zu Cooling- und Energieprodukten wie Riegel, Gels und Pulver. „Die USA haben ein anderes Geschmacksprofil als wir in Europa, den Jungs soll’s auch schmecken“, klärte der ÖFB-Ernährungsberater Martin Rinderer auf, warum man nichts in Amerika kaufen will und kann.

Und auch die Zeugwarte gingen auf Nummer sicher – Marjanovic: „Wir haben 30 Garnituren Dressen mit, drei Trikots pro Spieler pro Spiel.“ Das reicht für zehn Partien. Inklusive Finale sind es aber nur acht Partien. „Egal“, lacht Lachnit. „Man muss mit allem rechnen.“ Vor allem bei der FIFA. Die Trikots werden erst vor Ort beflockt, zwei Maschinen sind mit, zur Sicherheit steht eine Druckerei bereit: „Die FIFA ist extrem genau, zwischen den Buchstaben müssen vier Zentimeter Platz sein, bei 3,9 werfen sie es dir zurück“, so Marjanovic.

WM nur via TV statt live
Der jeden Buchstaben einzeln auflegen muss, einmal in Belgien bei Flo Grillitsch ein L vergaß, das Trikot mit „Grilitsch“ hat Kultcharakter. Und beim Flug von Schweden auf die Färöer ist einmal die Wäsche verloren gegangen.

Mehr Hoppalas gab es noch nicht, das Duo ist perfekt eingespielt. „Als Zeugwart muss man immer ein bissl verrückt sein“, stört es Lachnit nicht, dass er auch bei der WM kein Spiel im Stadion sehen wird. „Jovo ist auf der Bank, ich bereite in der Kabine alles vor, damit wir nach dem Spiel rasch wieder wegkommen.“ Umso dankbarer ist er für ein TV-Gerät in den Katakomben: „Oft weiß ich sonst gar nicht, wie es steht.“

Marjanovic, der schon seit der Krankl-Ära beim ÖFB-Team ist, ist indes auch der Herr über die „Treter“, kennt von allen 25 Kickern die Schuhgrößen auswendig. Gestern Abend hat das Duo im Ritz Carlton in Santa Barbara seinen „Kit Room“ bezogen, heute steigt das erste Training – dann wird man wissen, ob tatsächlich alles in den USA gelandet ist.

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