Der Betrieb des kleinen Opernhauses auf dem Fleischmarkt wird eingestellt. Man sagt vorübergehend, doch das endgültige Ende dier Kulturinstitution Wiener Kammeroper scheint besiegelt. Das Signal ist für eine angebliche Musikstadt Wien jedenfalls verheerend.
Anfang Dezember 2025 gaben die Vereinigten Bühnen Wien (VBW) bekannt, was man schon länger befürchtet hatte: Der Betrieb der Wiener Kammeroper wird eingestellt. Zumindest vorübergehend, wie man schnell nachsetzte. „Angesichts der jetzigen budgetären Möglichkeiten werden wir hier auf die Pausetaste drücken“, so die Begründung von Franz Patay, Geschäftsführer der VBW, zu denen neben den Wiener Musicalhäusern auch das Theater an der Wien und die kleine Kammeroper gehören. Die Pause betreffe zunächst die Saison 2026/27. Doch daran glaubt ohnehin niemand. Denn Franz Patay erklärte dazu: Das kleine Haus am Fleischmarkt in der Innenstadt sei sanierungsbedürftig, weshalb man vor weiteren Entscheidungen das Gespräch mit der Stadt und möglichen Partnern suchen müsse.
Das Signal ist für eine angebliche Musikstadt Wien jedenfalls verheerend. Die Aufregung war dementsprechend groß. Eine öffentliche Petition sammelte Unterschriften. Die Grünen brachten einen Antrag im Gemeinderat ein, dass Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler mit den VBW Gespräche aufnehmen sollte, um die Kammeroper zu retten. Der Antrag wurde von den Regierungsparteien abgelehnt, der Ball an die VBW zurückgespielt. Kaup-Hasler erklärte erst jüngst im „Krone“-Interview: „Es ist mir ein Herzensanliegen als Kulturstadträtin, dass die Oper geschützt wird. Aber das Theater an der Wien liegt außerhalb meiner Ägide bei der Wien-Holding. Der klare Auftrag an die Geschäftsführer lautete damals, die Oper zu schützen. Wie mit diesem Auftrag umgegangen wurde, wissen wir jetzt. In Zeiten des Sparens müssen wir vor allem zuerst mal das Mutterschiff, also das Theater an der Wien schützen, sonst kann gar nicht mehr angedockt werden.“ Sie merkte jedoch auch an, dass die VBW-Geschäftsführung demnächst neu ausgeschrieben wird.
Stefan Herheim, Intendant des Theaters an der Wien, der kommende Saison nur noch sechs szenische Produktionen im Haupthaus zeigen kann, forderte „Sachverstand“ von der Politik und widersprach seinem Geschäftsführer: Die Kammeroper sei noch keineswegs sanierungsbedürftig, man könnte dort noch einige Jahre spielen. Der Mietvertrag läuft bis Sommer 2027. Man müsse jetzt für ein Jahr Untermieter suchen.
Madame sucht neue Liebhaber „Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben?“ Frauenemanzipation – im Europa der 1930er bereits ein Hotspot! Oscar Straus und Alfred Grünwald lassen die Diva Manon im Operetten-Paris den Hit singen. Und Bohuslav Martinů schreibt in Paris seine surreale Komödie „Zweimal Alexander“, ein erotisches Verwirrspiel. In der Kammeroper koppeln – anlässlich der Abschiedsproduktion – nun Regisseurin Anna Bernreiter und die Dirigentin Irene Delgado-Jiménez am Pult des Wiener Kammerorchesters „Zweimal Alexander“ mit Mieczyslaw Weinbergs „Lady Magnesia“ (1975).
Geschichten zweier starker Frauen, die von ihren Gatten der Untreue bezichtigt und sogar mit Mord bedroht werden. Turbulente Verkleidungs- und Verwechslungskomödien in bizarr extravaganter Ausstattung (Manfred Reiner, Hannah Öllinger). In „Zweimal Alexander“ sucht Mme Armande zuletzt einen neuen Liebhaber, in „Lady Magnesia“ wird der Liebhaber zu Stein, sie kehrt zurück ins Ehebett. Das junge Sängerteam hat an der Gag-Parade mit (Sex-)Spielen Spaß: überzeugend Josefine Göhmann, Jacob Phillips, Peter Kirk.
Dr. Karlheinz Roschitz
Auch die Co-Direktoren des Regie führenden Intendanten sind am Absprung: Vize-Direktor Peter Heilker, der den Spielplan maßgeblich gestaltete, wird 2028 Intendant der Oper Leipzig, auch die bisher für die Kammeroper zuständige Carolin Wielpütz wird gehen. Das Ende einer Kulturinstitution scheint somit besiegelt. Bleibt zu hoffen, dass die Stadt nicht auch noch ihr Opernhaus sperrt.
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