Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum Österreichs nach unten korrigiert. Nun wird für 2026 von einem Wachstum des heimischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) von nur noch 0,7 Prozent ausgegangen – statt der ursprünglich angenommenen 0,9 Prozent.
Grund für die Korrektur sind die gestiegenen Energiepreise infolge des Iran-Krieges. Für 2027 wird ein Wachstum von 1,1 statt 1,2 Prozent prognostiziert.
Wachstum könnte noch geringer ausfallen
Die Prognosen sind allerdings nach Angaben der Organisation mit Vorsicht zu genießen. „Eine länger als erwartete Störung der Energiemärkte könnte das Wachstum erheblich verlangsamen“, betonte die OECD in ihrem am Mittwoch veröffentlichten Ausblick. Zum Vergleich: Die heimischen Wirtschaftsforschungsinstitute Wifo und IHS rechnen für 2026 mit einem Plus von 0,9 bzw. 0,5 Prozent, die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) geht von 0,5 Prozent und die EU-Kommission von 0,6 Prozent aus.
Im internationalen Vergleich liegt Österreich damit deutlich unter dem Durchschnitt. Die OECD-Staaten werden heuer und nächstes Jahr auf ein BIP-Wachstum von 1,5 bzw. 1,7 Prozent kommen. Das globale Wirtschaftswachstum prognostiziert die OECD für 2026 mit 2,8 Prozent und für 2027 mit 3,1 Prozent. Grundlegend stellt der sich zuspitzende Konflikt im Nahen Osten nach Ansicht der OECD die Widerstandsfähigkeit der Weltwirtschaft auf eine „harte Probe“. Selbst nach Beendigung des Konflikts dürften die wirtschaftlichen Auswirkungen noch einige Zeit zu spüren sein, heißt es in dem Bericht.
Budgetdefizit trotz Sparmaßnahmen über 4 Prozent
Die Jahresinflation soll nach Berechnungen der OECD heuer in Österreich bei 2,8 Prozent liegen. „Staatliche Maßnahmen zur Begrenzung des Anstiegs der Kraftstoffpreise werden die Gesamtinflation abfedern“, erklärte die Organisation weiter. Da der Druck durch die Rohstoffpreise 2027 voraussichtlich nachlassen wird, dürfte die Inflation auf 2,4 Prozent zurückgehen. Zudem soll sich der Konsum im Laufe des Jahres 2026 verlangsamen. Gleichzeitig dürfte die Arbeitslosenquote weitgehend stabil bleiben und sich bei etwa 5,7 Prozent einpendeln.
Das Budgetdefizit Österreichs liegt trotz der 2025 eingeführten Konsolidierungsmaßnahmen weiterhin über 4 Prozent des BIP. Laut OECD-Prognosen wird die Bundesregierung ihren finanzpolitischen Kurs bis 2027 um insgesamt 0,4 Prozent des BIP straffen. Dennoch soll das Budgetdefizit im Zeitraum 2026 bis 2027 durchschnittlich 4,1 Prozent des BIP betragen. Die Senkung der Mineralölsteuer im Jahr 2026 sowie die unter der Erwartung liegende Wirtschaftsleistung werden die Steuereinnahmen trotz höherer Inflation verringern, heißt es in dem Bericht.
Österreich brauche jedoch auch angesichts der finanziellen Belastungen durch die alternde Bevölkerung, den Klimawandel und die Verteidigung langfristige Strategien, betonte die OECD. Zentral dabei sei der Ausbau der erneuerbaren Energien. Um den Bau groß angelegter Infrastruktur zu beschleunigen, müssten etwa administrative Hürden abgebaut werden. Gleichzeitig erfordere der Ausbau der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien eine umfassende Modernisierung, Erweiterung und Digitalisierung des Stromnetzes.
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