Gigant plant um

Nestlé setzt künftig auf Katzen- statt Babynahrung

Wirtschaft
02.06.2026 16:50
Porträt von krone.at
Von krone.at

Der Lebensmittelgigant Nestlé hat einen bemerkenswerten Strategiewechsel bekanntgegeben. Künftig will das Unternehmen die Produktion von Katzenfutter deutlich ausbauen – auf Kosten des krisengebeutelten Babynahrungssektors.

Nestlé setzt angesichts sinkender Geburtenraten weltweit verstärkt auf das Geschäft mit Katzenfutter. Der Trend zu weniger Babys und mehr Haustieren biete dem Schweizer Konsumgüterkonzern erhebliches Wachstumspotenzial, sagte Konzernchef Philipp Navratil am Dienstag auf einer Investorenkonferenz der Deutschen Bank. 

Tierhalter seien zunehmend bereit, mehr Geld für ihre Haustiere auszugeben, da diese immer häufiger als vollwertige Familienmitglieder angesehen würden. Der Lebensmittelgigant sieht darin eine Win-win-Situation.

Gesellschaft befindet sich im Wandel
In einer alternden und zunehmend von Einsamkeit geprägten Gesellschaft suchten immer mehr Menschen nach tierischer Gesellschaft, wobei sich die Katze als idealer Begleiter erweise. Nestlé produziert unter anderem Tierfutter der Marken Purina, Friskies oder Gourmet.

Vor allem in den USA investiert Nestlé.
Vor allem in den USA investiert Nestlé.(Bild: Brett - stock.adobe.com)

„Katzen sind ein wachsendes Segment“, erklärte Navratil. Da viele Menschen ihre Homeoffice-Zeit reduzierten und vermehrt an ihre Arbeitsplätze zurückkehrten, seien Katzen im Vergleich zu Hunden zudem die pflegeleichteren Haustiere. Nestlé profitiere in diesem Bereich besonders von seiner Ausrichtung auf das Premiumsegment.

Da Katzen als wählerische Fresser gelten, sei für die Futterherstellung mehr Technologie und wissenschaftliche Forschung nötig. Dies spiele dem forschungsstarken Konzern in die Karten. Nestlé sei Marktführer bei Katzennahrung und die Nummer zwei bei Hundenahrung.

Neue Produktion in den USA im Aufbau
Um die Nachfrage zu bedienen, baue Nestlé derzeit vor allem in den USA neue Tiernahrungs-Produktionskapazitäten auf. Sowohl der Tiernahrungs- als auch der Kaffeemarkt dürften sich besser entwickeln als der breitere Markt für Konsumgüter, sagte der Chef des Nespresso-Herstellers. Für beide Kategorien werde ein Marktwachstum von drei bis vier Prozent erwartet. Nestlé wolle dabei jeweils am oberen Ende dieser Spanne wachsen.

Der Babynahrungssektor sorgte zuletzt enormen Ärger: Mehrere Hersteller, darunter der Schweizer Lebensmittelgigant, haben seit Dezember in mehr als 60 Ländern Säuglingsnahrung zurückgerufen. Ein einmaliger Vorgang in der Geschichte des Unternehmens.

Grund war die mögliche Verunreinigung der Produkte mit dem Giftstoff Cereulid, der Durchfall und Erbrechen verursachen kann. Die Spur führt nach Angaben von EU-Behörden nach China. Cereulid wurde ihren Angaben zufolge erstmals im Dezember in Chargen von Präparaten nachgewiesen, die Arachidonsäureöl aus China enthielten. Arachidonsäure ist ein für Säuglinge wichtiger Nährstoff, der auch in Muttermilch enthalten ist. Der Giftstoff Cereulid kann entstehen, wenn Babynahrung oder die Zutaten zu lange warmgehalten oder wiederholt aufgewärmt werden.

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