In Favoriten entsteht bis 2027 ein sechsstöckiges Sicherheitszentrum für Polizei, LKA und Staatsschutz. Beim Spatenstich wurde klar: Der Neubau löst das Personalproblem im Wiener Hotspot nicht, denn die 800 Neuaufnahmen ersetzen nur Abgänge. Kritiker warnen: Auf der Straße ändert sich damit wenig.
Favoriten gilt als einer der heißesten Brennpunkte Wiens. Waffenverbotszonen, Messerangriffe, überlastete Polizisten – und nun, inmitten dieser Gemengelage, ein feierlicher Spatenstich. Innenminister Gerhard Karner, Landespolizeivizepräsident Franz Eigner, SPÖ-Gemeinderat und Sicherheitssprecher Marcus Schober sowie ARE-Geschäftsführerin Christine Dornaus griffen am Montag in der Keplergasse gemeinsam zur Schaufel. Auf dem historischen Standort entsteht ein sechsstöckiges Sicherheitszentrum – in Holz-Hybrid-Bauweise, mit begrüntem Innenhof und Photovoltaik am Dach. Ein politisches Signal, wie Karner betonte.
Vom Ausweichquartier zum Sechs-Stockwerke-Bau
Kein Luxusbau, sondern Notwendigkeit: Die bisherige Polizeiinspektion Keplergasse war schlicht marode. Seit Herbst 2024 versehen die 45 Beamten ihren Dienst im Ausweichquartier Columbusgasse. Mit dem Neubau entstehen auf 2100 Quadratmetern – mehr als dreimal so viel wie bisher – Räume für die Inspektion, Teile des Landeskriminalamtes sowie des Landesamtes für Staatsschutz und Extremismusbekämpfung. Fertigstellung: Herbst 2027, Einzug: Anfang 2028. Die Investitionskosten belaufen sich laut Dornaus auf rund 8,8 Millionen Euro, vorfinanziert von der ARE, rückzahlbar über die Miete.
800 Neue – aber keine einzige Aufstockung
Karner ließ keinen Zweifel an der Botschaft: „Eine gute Ausstattung für die Polizei ist wichtig, aber eine ausreichend personelle Ausstattung ist entscheidend.“ Von den österreichweit 1400 geplanten Neuaufnahmen in diesem Jahr sollen 800 für Wien vorgesehen sein. Was aber nicht offen ausgesprochen wurde: Diese 800 bedeuten keine Aufstockung. Sie kompensieren lediglich die Abgänge. Eins zu eins. Netto ändert sich nichts.
Bezirksvorsteher: Keine Zuteilung für Favoriten
Bezirksvorsteher Marcus Franz, beim Termin ebenfalls anwesend, machte seinen Unmut deutlich. „Ich habe nicht herausgehört, dass zumindest zehn oder zwanzig Prozent der neuen Kollegen dem Bezirk zugeteilt werden.“ Die Realität sei ernüchternd: „Wenn ich einen Notruf absetze, bekomme ich die Meldung: Wir haben leider keine verfügbaren Einsatzkräfte.“ Auf der Straße seien kaum Uniformierte zu sehen – das neue Gebäude werde daran allein nichts ändern.
Ein Gebäude hat noch nie einen Verbrecher gefangen. Es sind Menschen aus Fleisch und Blut, die dafür Verantwortung tragen.
Innenminister Gerhard Karner (ÖVP)
Berger fordert Grundverdoppelung der Beamten
FPÖ-Sicherheitssprecher Stefan Berger formulierte es noch schärfer. Die 800 Neuaufnahmen? „Das sind einfach nur die Polizeischüler.“ Dazu komme eine Drop-out-Rate von rund einem Drittel, steigende Kündigungszahlen – viele wollten den Dienst im Brennpunkt schlicht nicht mehr – und die Pensionierungswelle der geburtenstarken Jahrgänge. „Das lässt mich nicht sonderlich rosig in die Zukunft schauen.“ Seine Forderung: rund 700 Beamte für Favoriten, de facto eine Grundverdoppelung. Waffenverbotszone-Schilder seien bloß „Beruhigungspillen“.
Grünen-Sicherheitssprecher Hans Arsenovic hielt dagegen: Die Bündelung verschiedener Einheiten unter einem Dach sei richtig und sinnvoll. „Die Kommunikation innerhalb von Organisationen – wenn die nicht gut funktioniert, geht viel verloren.“ Bezüglich Rekrutierungsproblem zeigte er sich pragmatisch: Wenn Firmen schließen, steige die Bewerberzahl erfahrungsgemäß von selbst.
Wenn ich einen Notruf absetze, bekomme ich die Meldung: Wir haben leider keine verfügbaren Einsatzkräfte. Wir brauchen mehr Polizei im Bezirk.
Bezirksvorsteher Marcus Franz (SPÖ)
Wiens Polizei-Vizepräsident Eigner unterstrich die Wichtigkeit des neuen Zentrums: Es sei „ein lange gehegter Wunsch“ der Wiener Polizei, eine Inspektion „in der heißesten Gegend von Wien, einem sogenannten Hotspot“ neu errichten zu dürfen. Aber Karner selbst machte auf das aktuelle Dilemma aufmerksam: „Ein Gebäude hat noch nie einen Verbrecher gefangen. Es sind Menschen aus Fleisch und Blut, die dafür Verantwortung tragen.“ Die fehlen aber aktuell.
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