Wirbel in Rom

Regenbogenparade: Verbot für jüdische Gruppen

Ausland
29.05.2026 22:08
Porträt von krone.at
Von krone.at

In der LGBTQ-Gemeinschaft in Italien brodelt es gewaltig. Denn die Veranstalter der Pride-Parade in Rom haben angekündigt, dass die Organisationen Keshet Italia und Keshet Europe nicht mit einem Festwagen dabei sein dürfen, weil sie sich nicht vom „derzeitigen Genozid in Gaza“ distanziert hätten.

Die Veranstalter der Parade für die Rechte von lesbischen, schwulen, bisexuellen, Trans- und queeren Menschen (LGBTQ) am 20. Juni veröffentlichten ein politisches Manifest, in dem auch der „derzeit in Gaza vom Staat Israel verübte Genozid“ verurteilt wird. Von Teilnehmern mit einem Wagen verlange man, dass sie sich sämtliche Forderungen zu eigen machen, hieß es.

Eine Pro-Palästinenser-Demo in Turin
Eine Pro-Palästinenser-Demo in Turin(Bild: EPA/TINO ROMANO)

Keshet Italia warf den Veranstaltern eine „gefährliche Doppelmoral“ vor. Von italienischen Juden werde verlangt, sich von einer ausländischen Regierung zu distanzieren, für die sie nicht verantwortlich seien. Keshet Italia – „keshet“ ist das hebräische Wort für Regenbogen – sei ausgeschlossen worden, „weil wir ihre politische Prüfung nicht bestanden haben“.

„Pride hat ihre Seele verloren“
Keine andere Vereinigung werde einer „fortlaufenden“ politischen Prüfung unterzogen, um zu beweisen, „dass sie es verdient haben, dabei zu sein“. Diese Behandlung treffe nur sie. „Die Pride wird zu einem ideologischen Tribunal, das Minderheiten vertreibt, und ihre Seele verloren hat.“

Auch aus der italienischen Politik hagelte es Kritik. Der liberale italienische Abgeordnete Benedetto Della Vedova bezeichnete den Ausschluss auf der Plattform X als „besorgniserregend und schmerzhaft für viele Menschen“. Pina Picierno, Vizepräsidentin des EU-Parlaments von der sozialdemokratischen PD, schrieb auf X: „Es gibt etwas zutiefst Falsches daran, wenn eine Bewegung, die entstanden ist, um Minderheiten zu verteidigen, beginnt zu entscheiden, welche Minderheiten moralisch akzeptabel sind und welche nicht.“ Sollten die Organisatoren am Ausschluss festhalten, würde damit eine „gefährliche Grenze“ überschritten.

Kein Pride-Verbot in Budapest
Im Gegensatz dazu wird es eine Woche später wohl viel ruhiger in Budapest zugehen. Denn anders als im Vorjahr, will die Polizei in der ungarischen Hauptstadt die Veranstaltung für die Rechte homo- und bisexueller, transgeschlechtlicher sowie nichtbinärer Menschen nicht verbieten. Die Vorgängerregierung unter Viktor Orbán hatte unter dem Vorwand des Kinderschutzes ein Verbot erlassen, welches aber massenhaft ignoriert wurde. Eine Rekordzahl von rund 200.000 Menschen nahm im Vorjahr an der Pride teil.

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