Keine Kuhhandel. Sie bewerbe sich nicht als ORF-Generaldirektorin und so für den Job als ihre eigene Nachfolgerin, verkündete Ingrid Thurnher, die nach der Weißmann-Demontage die Führung des öffentlich-rechtlichen Senders bis zum heurigen Jahresende übernommen hat, am Donnerstag, dem Ende der Bewerbungsfrist für die Kandidatinnen und Kandidaten zur Leitung des ORF. Tiefste Einblicke lässt die Begründung ihrer Nicht-Kandidatur zu: Sie brauche „die Hände frei“, um auch gegen Widerstand zu entscheiden. Wörtlich schrieb sie der Belegschaft: „Ich muss nicht taktieren, muss nicht tun, was opportun ist“. Das sagt fast alles. Und man weiß auch, dass Thurnher, weil sie offenbar nicht ausreichend bereit war, auf mehr oder weniger krumme politische Kuhhandel einzusteigen, gar keine Chancen auf die Generaldirektion von 2027 bis 2031 gehabt hat.
ORF, nicht AMS. Keine Chancen für Thurnher, wohl auch keine Chancen für Bewerberin Lisa Totzauer, die im „Krone“-Interview meint, wenn das Ergebnis vor der Entscheidung feststehe, dann sei das kein Auswahlverfahren. Doch genau davon geht man am Küniglberg aus: Dass im Kanzleramt längst die Wahl auf APA-Manager Clemens Pig gefallen ist. Richtigerweise muss man sagen: auf den ehemaligen APA-Manager. Denn gleichzeitig mit seiner Bewerbung gab Pig auch seinen Rückzug als Geschäftsführer der Presseagentur bekannt. Er beendet das Dienstverhältnis noch vor der Wahl des Generaldirektors. Würde er das tun, wenn er nicht eine verbindliche Zusage für den neuen Job hätte? In diesem Fall müsste man am Geisteszustand des offenbar längst bestimmten, aber noch nicht bestellten ORF-Generals und damit auch an seiner Qualifikation zweifeln. So bleibt Pigs APA-Rückzug ein Beweis mehr, dass ihn der Weg – von Kanzlers Gnaden – zum ORF und nicht zum AMS führt…
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