Fast in letzter Minute hat der als Favorit gehandelte APA-CEO Clemens Pig nun seine Bewerbung um den Posten des ORF-Generaldirektors eingereicht. Er wolle einen „ORF, dem Österreich vertraut“, teilte Pig in einer Aussendung mit.
„Der ORF ist nicht irgendein Medienunternehmen. Er ist eine zentrale demokratische Institution dieses Landes“, begründete Pig seinen Schritt. „Ich möchte Verantwortung dafür übernehmen, dass der ORF Vertrauen stärkt, Orientierung gibt und seine besondere Rolle im digitalen Zeitalter konsequent weiterentwickelt“, so der Neo-Kandidat auf den Chefposten bei Österreichs größtem Medientanker.
Entsprechend ist auch das Motto für Pigs Kandidatur gewählt: „Ein ORF, dem Österreich vertraut“. Dabei gehe es nicht um Marketing, stellte Pig in einer Aussendung klar: „Vertrauen entsteht nicht durch Kampagnen. Vertrauen entsteht durch Verhalten. Ein ORF, dem Österreich vertraut, muss fair, plural, sachlich, lernfähig und nachvollziehbar handeln – jeden Tag.“
„Nicht Selbstdarstellung oder große Inszenierung“
Gefragt seien dabei nicht Selbstdarstellung oder große Inszenierung, sondern eine ruhige, verbindliche und umsetzungsorientierte Führung. Schließlich reiche die Aufgabe eines ORF-Generaldirektors weit über klassisches Medienmanagement hinaus. „Es geht nicht nur um Quote, Reichweite oder kommerzielle Logiken. Der ORF muss mit seiner ganzen Kraft für Public Value, demokratische Orientierung, kulturelle und regionale Identität, digitale Innovation und journalistische Glaubwürdigkeit stehen. Er muss ein öffentliches Haus bleiben – unabhängig von Parteien, Interessen und einzelnen Milieus.“
Der 51-Jährige steht durch seine mittlerweile zehnjährige Tätigkeit an der Spitze der Nachrichtenagentur APA – einer Genossenschaft im Eigentum des ORF und vieler österreichischer Tageszeitungen – mit beinahe allen größeren Medien im Land regelmäßig im Austausch. Der Tiroler tritt zudem als vehementer Befürworter von Kooperationen am heimischen Medienmarkt auf, um mit sauberen Informationen gegen die Big-Tech-Giganten und deren Plattformen zu bestehen. Dies betonte Pig auch im Zuge seiner nun erfolgten Bewerbung: „Deshalb braucht es einen ORF, der stark ist, aber nicht selbstbezogen; der kooperiert, wo es dem Standort nützt; und der seine Infrastruktur, Innovationskraft und Erfahrung fair und transparent in Partnerschaften einbringt.“
„Keine Pose der Revolution“
„Der ORF braucht keine Pose der Revolution, aber auch keine bloße Fortsetzung des Gewohnten“, machte Pig deutlich, dass ihm kein Weiter-So vorschwebe: „Er braucht Erneuerung mit Vertrauen und Vision – und eine Führung, die entscheidet, erklärt, zuhört und umsetzt.“ Dabei sehe er selbst fünf zentrale Aufgaben für die künftige ORF-Spitze: „Wirtschaftliche Stabilität und transparente Governance, Stärkung von Vertrauen, Publikum und öffentlich-rechtlichem Auftrag, digitale Transformation inklusive KI, organisatorische Erneuerung samt transparenter, gleichstellungsorientierter und diskriminierungsfreier Unternehmenskultur sowie Kooperation für den Medienstandort Österreich.“
ÖVP- und SPÖ-nahe Stiftungsräte als mutmaßliche Unterstützer
Pig hat laut Beobachtern die Unterstützung von zumindest Teilen der ÖVP- und SPÖ-nahen ORF-Stiftungsräte. Gemeinsam stellen die beiden „Freundeskreise“ im obersten ORF-Gremium, das am 11. Juni zur Wahl der ORF-Spitze zusammenkommt, eine deutliche Mehrheit.
Thurnher verzichtet auf Kandidatur
Abseits von Pig haben sich noch einige weitere Medienmanagerinnen und -manager beworben. Darunter finden sich etwa der frühere ProSiebenSat.1Puls4-Geschäftsführer Markus Breitenecker, ORF-Magazinchefin Lisa Totzauer und nun auch der im Ausland erfolgreiche Ex-HBO-, Hulu- und Shahid-Manager Johannes Larcher.
Auch er machte seine Kandidatur am Donnerstag offiziell. „Meine Unabhängigkeit ist nicht nur ein Versprechen – sie ist meine Stärke. Ich stehe für einen ORF, der niemandem verpflichtet ist außer seinem Publikum und dem österreichischen Gemeinwohl“, so Larcher. Sein Konzept stützt sich auf fünf Säulen: Zur Absicherung der redaktionellen Unabhängigkeit schlägt er laut Medienberichten eine eigenständige Informationsdirektion vor. Zudem plane er eine Aufwertung lokaler Inhalte aus den Bundesländern sowie eine digitale Omni-Channel-Strategie, die ORF-Inhalte auch auf Drittplattformen wie TikTok ausbaut.
Von Gerhard Zeiler, Österreichs wohl gewichtigster Medienmanager im Ausland, wurde er schließlich 2020 zu Warner Media geholt. Dort kümmerte sich Larcher für zwei Jahre als Head of HBO Max Global darum, dass der Streamingdienst in viele Teile der Welt ausgerollt wurde. Anfang des Jahres ist HBO Max auch in Österreich gestartet. Larcher, der im Zuge seiner Tätigkeit an Zeiler, der einst den ORF oder auch RTL führte, berichtete, war zum Start der Plattform hierzulande aber nicht mehr an Bord. Zu dem Zeitpunkt hatte er laut Eigenangaben die Hörbuch- und E-Book-Plattform Storytel von 2022 bis 2024 wieder in die Gewinnzone geführt.
Die gegenwärtige ORF-Chefin Ingrid Thurnher verzichtet dagegen auf eine Kandidatur. Sie begründete am Donnerstag den Schritt damit, so in den kommenden Monaten mehr Freiheit bei der Aufarbeitung von Missständen zu haben und besser Weichenstellungen vornehmen zu können. Ebenfalls ihren Hut in den Ring geworfen hat die Verlobte von Ex-SPÖ-Tirol-Chef Georg Dornauer, Eva Schütz. Sie führt aktuell die Geschäfte einer Boulevard-Nachrichtenplattform.
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