„Krone“-Kommentar

ORF: Peinlicher geht es nicht …

Kolumnen
29.05.2026 06:00
Porträt von Georg Wailand
Von Georg Wailand

Zugegeben, die Auswahl eines neuen Chefs in einem Unternehmen gehört zu den heikelsten Aufgaben. Was sich aber beim ORF diesbezüglich abspielt, ist beispiellos. Es ist verwunderlich, dass sich weite Teile der Bevölkerung dieses parteipolitische Intrigenspiel ohne große Proteste gefallen lassen.

Man muss nicht gleich ans ORF-Volksbegehren von Hugo Portisch erinnern, auch unter Bruno Kreisky wurde eine „Kommission zur Postenvergabe“ geschaffen. Mitglieder waren ein bürgerlicher Jurist, ein sozialdemokratischer Banker, ein Freiheitlicher (der Vater von Wrabetz) und meine Wenigkeit (als unabhängiger Journalist). Jeden Freitagnachmittag, wenn andere ins Wochenende gingen, saßen wir im Kanzleramt (ohne Gage) und brüteten an halbwegs vernünftigen Vorschlägen. Etliches wurde tatsächlich übernommen, von befristeten Verträgen bis zu notwendigen Vorkenntnissen. Im Laufe der Zeit verblassten diese Ansprüche, jetzt waten wir wieder im Polit-Sumpf des ORF.

Welches Ziel soll der/die neue ORF-Spitze erfüllen? Ist der ORF für die Bevölkerung da oder nur Erfüllungsgehilfe der Parteien? Finanziert mit einer Zwangsabgabe und mit einem Stiftungsrat als privater Abkassierer und Büttel der Parteisekretariate.

Um so eine skandalöse „Wahl“ durchzudrücken, hat man die Bestellung der neuen Führung vorverlegt. Wäre es nicht wichtiger gewesen, zuerst das Ziel zu definieren?

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