Schwerer Verlust

Volksgruppen-Urgestein Martin Ivancsics ist tot

Burgenland
26.05.2026 09:23

Martin Ivancsics, der langjährige Vorsitzende des Volksgruppenbeirats und Mitbegründer der Ständigen Vorsitzendenkonferenz der autochthonen Volksgruppen, ist tot. Der 75-jährige Zagersdorfer ist am vergangenen Pfingstmontag nach langer und schwerer Krankheit verstorben.

Ivancsics hatte 34 Jahre lang die Volksgruppenpolitik im Burgenland maßgeblich geprägt und sich unermüdlich für die Belange der Volksgruppen eingesetzt, bevor er den Vorsitz des Kroatischen Kultur- und Dokumentationszentrums HKDC an Karin Vukman-Artner übergab. Erst im Vorjahr war er von Landeshauptmann Hans Peter Doskozil mit dem Goldenen Ehrenzeichen des Landes Burgenland ausgezeichnet worden.

Mit seinem Tod verliert die Volksgruppe der burgenländischen Kroaten – mit rund 35.000 Menschen ist sie zahlenmäßig die größte anerkannte Volksgruppe in Österreich – „eine herausragende Persönlichkeit, einen visionären Gestalter und einen unermüdlichen Kämpfer für Sprache, Kultur und Identität der Volksgruppe“, meinte Vukman-Artner im Rückblick auf seine zahlreichen richtungsweisenden Projekte, die er auf Schiene gebracht hatte.

Von 2000 bis 2010 war Ivancsics Büroleiter von Burgenlands Alt-Landeshauptmann Hans Niessl.
Von 2000 bis 2010 war Ivancsics Büroleiter von Burgenlands Alt-Landeshauptmann Hans Niessl.(Bild: Reinhard Judt)

Ein Brückenbauer mit Weitblick
„Mit strategischem Denken, Weitblick und großem persönlichen Einsatz gelang es ihm, nachhaltige Initiativen zu schaffen, die weit über die Grenzen des Burgenlandes hinaus Anerkennung fanden. Sein Wirken war stets getragen von der Überzeugung, dass kulturelle Identität bewahrt, sichtbar gemacht und an kommende Generationen weitergegeben werden muss.“

Martin Ivancsics war auch ein geschätzter Denker, Ideengeber und Brückenbauer. Er verstand es, Menschen zusammenzuführen, Perspektiven zu eröffnen und der Stimme der burgenländischen Kroaten Gehör zu verschaffen. Mit seinem Ableben hinterlasse er eine große Lücke – menschlich wie gesellschaftlich: „Sein Vermächtnis wird jedoch weiterleben: in den von ihm initiieren Projekten, in den Institutionen, die er mitgeprägt hat und in den vielen Menschen, die er inspiriert und begleitet hat. Unsere Gedanken sind in diesen schweren Stunden bei seiner Familie und allen  Wegbegleitern.“

Niessl erinnert sich
Auch Burgenlands Landeshauptmann Hans Niessl – Ivancsics war viele Jahre sein Büroleiter – kondoliert der Familie: „Martin hat für das Burgenland in vielen Bereichen große Arbeiten geleistet. Er hat nach dem Bank Burgenland-Skandal, in den auch der damalige SPÖ-Landeshauptmann Karl Stix involviert war, den schwierigen Wahlkampf im Jahr 2000 geleitet und es wider Erwarten geschafft, die Sozialdemokratie zu stärken. Die Freiheitlichen wurden daraufhin aus der Regierung hinausgewählt. Ich habe ihn als Mitarbeiter und Mensch außerordentlich geschätzt!“

Doskozil: „Visionärer Volksgruppenvertreter“
Mit großer Betroffenheit reagierte auch Landeshauptmann Hans Peter Doskozil: „Mit Martin Ivancsics verliert das Burgenland eine prägende Persönlichkeit und einen visionären Volksgruppenvertreter, der über Jahrzehnte hinweg das politische, gesellschaftliche und kulturelle Leben des Landes maßgeblich mitgestaltet hat.“ Sein Wirken für die Sprache, Kultur und Identität der kroatischen Volksgruppe im Burgenland werde weiter Bestand haben. 

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